Die wichtigsten staatlichen und gemeinnützigen Anbieter von Patientenverfügungen

Welche ist für mich die richtige Wahl?

  • Reicht mir als Minimum ein einfaches Ankreuzformular? Stelle ich mir eine Standard-Patientenverfügung daraus selbst zusammen? (kostenlos) Siehe Nr. 3
  • Soll ich mir eine erweiterte Standard-PV 2011 zu einer geringen Gebühr anfertigen und incl. aller weiteren Vollmachten zusenden lassen? (bei online-Eingabe ca. 24 Euro) Siehe Nr. 2 
  • Oder soll ich die medizinisch-fachkundige Abfassung einer Optimal maßgeschneiderten  PV nach persönlicher Beratung bzw. Fragebogenauswertung in Anspruch nehmen? (Gebühr bis max. 96 Euro) Siehe Nr. 1

Anmerkung: Die genannten Bearbeitungsgebühren von 24 bis max. 96 Euro beziehen sich auf gemeinnützige Patientenberatungsstellen. Bei Ärzten kann für eine Beratung mit Anamnese zur individuellen Patienten­verfügung ggf. als ärztliche Gebühr bis zu 235 Euro (keine Kassenleistung!) berechnet werden. In der Höhe vergleichbar wären die Gebühren bei einem Rechtsanwalt.

Übersichtstabelle mit 3 Grundmodellen 

Es werden Ihnen staatliche oder gemeinnützige Anbieter bzw. Internetadressen vorgestellt, wie sie über einen längeren Zeitraum auf den ersten Plätzen im "Google-Ranking" und/oder in Ratgeber-Medienempfehlungen zu finden waren.

 

3 Grundmodelle *

Verfahren, Einbezug von individuellen Wertvorstellungen

Reichweite ** /  Name / Niveau 

Besonderheiten (eventuelle Vorbehalte und Risiken)

Anbieter

Ursprüngliches Konzept („Vorbild") und ggf. Weiterentwicklung

Gebühren / Links

jeweils inkl. Vollmachten oder auch Betreuungs-Vorsorge-Formular, sofern nicht anders angegeben.

Nr. 1

Fachkundig erstellte, individuell
maßgeschneiderte PV

Fachkundig erstellt auf medizin-ethischer Basis

Alle persönlichen Abwägungen, Wünsche, Wertvorstellungen, ggf. Krankheitsbilder und Prognosen sind im Dokument inbegriffen

Beratungs- und Auswertungsprozess inbegriffen, keine „schnelle Lösung"

Zusendung der fertigen PV per Post (Wartezeit je nach Beratungsbedarf, Notfälle werden sofort bearbeitet)

Hohes Niveau, gut bis sehr gut

"Optimale Patienten­verfügung"

Keinerlei  Reichweiten­beschränkung (außer natürlich bzgl. illegaler Tötung auf Verlangen)  

Zugrundeliegende  Wertanamnese mit Abwägungs­möglichkeiten

Abfassung inkl. Beratung völlig ergebnisoffen und individuell maßgeschneidert.

Zahlreiche Referenzen

Nachteil: aufwändig, kann ggf. auch überfordern.


Bundeszentralstelle Patienten­verfügung

(Praxiserfahrung seit 1998, mit Hilfe medizinischer und juristischer Experten konzipiert, exclusiv vom Humanistischen Verband Deutschlands angeboten).

Beste Reverenzen, neber der BMJ-Broschüre (s. u.) meist genannte und anerkannteste Empfehlung (laut   Verbrauchermagazin „Guter Rat" ist dieser Ansatz  „noch detaillierter und ausgefeilter" als der Ansatz der AG des Bundesministeriums der Justiz.

Seitdem beständig weiterentwickelt gemäß klinischem Umgang und Praxiserfahrung

 

48 bis 96 Euro

Der Höchsttarif von 96 Euro gilt für reguläre Dienstleistung (sonst Reduzierungen möglich).

 

Nach Auswertung eines detaillierten PV-Fragebogens und/oder Beratung hier

 

Direkt zum PV-Fragebogen hier

(Vorsorge-)Vollmachten oder wahlweise zusätzliche Betreuungs­verfügungen werden mitgeschickt

Nr. 2

Textbausteine  

für eine Standard-Patienten­verfügung

Mit Optionen zur Annahme oder Ablehnung genau bezeichneter Behandlungen für bestimmte Situationen, in denen die PV gelten soll (Reichweite).

Wertvorstellungen und Krankheitsbild müssen bei Bedarf auf Zusatzblatt ergänzt werden

Zum Selbst Erstellen


Zum Selbst Erstellen

Mittleres Niveau, befriedigend bis gut

 

(ggf. mangelanfällig, da beim Selbstabfassen Fehler oder Ungereimtheiten einfließen können)

 
Reichweite: Textbausteine beschränkt auf "aussichtslose" Situationen (inkl. Koma und Demenz im Endstadium")


Bundesministerium der Justiz (BMJ)

Von diesem eingesetzte interdisziplinäre AG 2003/2004 konzipiert und veröffentlicht

Geringfügig geändert und weiter entwickelt durch Landesärztekammern v. a. 
 

Hamburger Ärztekammer (Vorsicht: Verzicht auf Dialyse und Antibiotika ist in der Vorlage ausgespart) oder

Ärztekammer Westfalen/Lippe

 

Ähnlich auch: Verbraucherzentralen

 

Kostenfrei

(ohne nutzbares Formular!)

Download BMJ



Kostenfrei

(ohne nutzbares Formular!)

Ärztekammern

Dort Vorsorgevollmacht nur für gesundheitliche Angelegenheiten)

Broschüren für ca. 8–15 Euro

Zum Erstellen lassen

Zusendung der fertigen Standard-PV per Post innerhalb weniger Tage

"Standard-PV 2011 plus"

Reichweite: "Aussichtslose" Situationen
sowie auch mittelschwere Demenz und
Gehirnschädigung, die nicht mit
Dauerbewusstlosigkeit einhergehen muss

V.I.S.I.T.E.-Hospizdienst /Palliativberatung

auch online ausfüllbar

Kostenfreier Download der Standard-PV-Broschüre)

jeweils mit (Vorsorge)Vollmachten

30 Euro, wenn in Papierform übermittelt, inkl. ausgefüllter Vollmachten

24 Euro bei Online-Eingabe

inkl. ausgefüllter Vollmachten

Nr. 3

Einfache Standard-Patienten­verfügung
als Ankreuzvariante oder Vorlage  

Weitere Angaben und Wünsche (z. B. zur Sterbebegleitung, Organspende, Konfliktregelung) sowie Wertvorstellungen und Krankheitsbilder müssen bei Bedarf auf Zusatzblatt ergänzt werden

Sofort selbst nutzbare Formulare, einfache Handhabung.

Von ausreichend (im Sterben oder Dauerkoma)
bis mangelhaft
 

 

 

"Christliche Patientensorge" 2011

Reichweite: Vorlage ist beschränkt auf  Sterben und todesnahe  Situation. Vorsicht: Nur verwenden, wenn  im Dauerkoma und Endstadium von Demenz lebensverlängernde Maßnahmen beibehalten werden sollen (dafür gut)! Ansonsten: Kontraproduktiv, d. h. mangelhaft.

Deutsche Bischofskonferenz/EKD

Fertige Vorlage, basierend auf Textbausteinen des BMJ, allerdings (bei stark  eingeschränkter Reichweite) ohne Wahlmöglichkeiten zum Ankreuzen

Kostenfreier Download

Christliche Patientenvorsorge

(nur mit "Gesundheits­vollmacht")

"Bayerische PV" von 2001

Reichweite: Deckt zwar Verzicht auf künstliche Ernährung im Dauerkoma und Endstadium einer Demenz  ab. Aber die demgegenüber missverständlich formulierte Forderung "Unterlassung lebenserhaltender Maßnahmen, die nur den Todeseintritt verzögern und dadurch mögliches Leiden unnötig verlängern würden" ist  jetzt  10 Jahre lang unverändert geblieben. Aus heutiger Sicht unbefriedigend.

Bayerisches Justizministerium

(von diesem eingesetzte interdisziplinäre AG, 2001).

Prototyp einer einfachen Standard-Ankreuzvariante 

Wird deshalb von vielen Experten nach wie vor als sehr hilfreich und einfach empfohlen.

Zudem adaptiert durch Justizministerien anderer Bundesländer

Kostenfreier Download

justiz.bayern.de




Enthält "Ja" oder "Nein" Optionen zur Annahme oder Ablehnung bestimter Behandlungen

Bestes Ankreuzangebot:

(da sowohl im Sinne einer einer erweiterter PV als aber auch einer christlichen PV  gleichermaßen nutzbar)

"Standard-PV 2011 plus"
Reichweite: "Aussichtslose" Situationen sowie auch mittelschwere Demenz und Gehirnschädigung, die nicht mit Dauerbewusstlosigkeit einhergehen muss

Hospizdienst/ Palliativberatung V.I.S.I.T.E. (Träger: HVD)

Standard-Ankreuzvariante

In der Reichweite erweitert und kontinuierlich verbessert auf ursprünglicher Grundlage der Bayerischen PV

Kostenfreie Downloads

Standard-Broschüre

oder

Formular der Ankreuzvariante

oder

Online-Formular zur kostenpflichtigen Erstellung

 

* In den jeweiligen Grundmodelle werden in allen Angeboten Palliativmedizin und Schmerztherapie eingefordert, wobei auch die Inkaufnahme einer sterbeverkürzenden Nebenwirkung als Möglichkeit vorgesehen ist. (Das Standard-PV-Modell der "Malteser" erfüllt letztgenanntes Kriterium nicht und ist hier nicht aufgeführt).

** Die Reichweite bezieht sich auf die Situationen, in denen die dann genannten lebensverlängernden Maßnahmen (inkl. Antibiotika und Dialyse) unterlassen werden sollen.

Selbstverständlich können bei einer PV-Vorlage mit größerer Reichweite nicht gewünschte Situationsbeschreibungen gestrichen bzw. nicht gewählt werden. Umgekehrt können z. B. bei der Christlichen PV weitere Situationen selbst hinzugefügt werden.

Alle Erfahrungen zeigen jedoch, dass dies von den Nutzern nur in einem verschwindend geringen Maße "eigenmächtig"  abgeändert wird. Insofern ist zu beachten:

Die Wahl einer Vorlage übt i. d. R. einen enormen Einfluss auf die möglichen Folgen der PV aus.

Alle oben aufgeführten Angebote im Rahmen der drei Modelle sind nicht-profitorientiert (was nicht heißen muss: kostenfrei). Allerdings gibt es deutliche Unterschiede bzgl. Qualität und Reichweite, Individualität, Niveau und Aufwand.

Hinweis auf weitere Übersichten und Angebote

Die zigtausendfach im Umlauf befindlichen sonstigen Patientenverfügungsmuster sollen und können hier nicht aufgeführt bzw. bewertet werden. Es handelt sich (inkl. Texte von kommerziellen Anbietern, Notaren oder Rechtsanwälten sowie Bücher und Broschüren) um mehrere hundert verschiedene Vordrucke und Angebote. (Eine unkommentierte Sammlung mit fast 250 Anbietern von A–Z finden Sie auf dieser externen Seite: Verfügungsliste des Ethikzentrums von Dr. Arnd T. May).

Auch können hier Patientenschutzorganisationen wie die Deutsche Hospizstiftung oder die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben nicht bewertet werden, die Materialien als Grundlage für ihre PV-Modelle nicht öffentlich machen, sondern nur bei Mitgliedschaft ausgeben.

Sollten Sie bereit eine Patientenverfügung haben und deren Güte bzw. Vollständigkeit überprüfen wollen, empfiehlt sich dazu der Vergleich mit den Textbausteinen einer Standard-PV.