Ausfüllhilfe für eine Standard-Patientenverfügung

Sie möchten den Auswahlbogen der Standard-PV online ausfüllen? Unsere telefonische Beratungshilfe unter 030 613904-12 oder -32 ist für Sie da, falls Sie Probleme beim Ausfüllen haben oder in dem einen oder anderen Punkt unsicher sind. Wir erläutern die einzelnen Teile aber auch in dieser Ausfüllhilfe, die Sie am besten ausdrucken und sich daneben legen, wenn Sie die online-Eingabe-Maske vor sich haben.

Bitte geben Sie gleich zu Beginn als Verfügende oder als Verfügender dort Ihre persönlichen Daten ein.

Wenn Sie herunterscrollen:

Sie sehen im Teil B die medizinischen Maßnahmen, welche verbindlich zu unterlassen sind,

wenn eine der Situationen eingetreten ist, die in Teil A beschrieben wird.


Doch nun zunächst ganz zum Anfang. 

Ihre gegenwärtige Situation und Grundhaltung (Ausgangsfrage)

Ganz zu Anfang (unabhängig von den in A genannten zukünftigen Situationen) wird gefragt, was Sie in Ihrem gegen­wärti­gen (!) Allgemeinzustand möchten. Sollen bei einem plötzlichen Notfall alle noch "sinn­vollen" medizinischen Maßnahmen angewendet werden, solange realistische Aussicht auf Wiedererlangung von Lebensqualität besteht? Darauf mit "Ja" zu antworten, gilt Ihnen vielleicht selbstverständlich. Aber es gibt auch Verfügende, die bereits so alt oder krank sind, dass sie zumindest intensivmedizinische Maßnahmen heute schon nicht mehr wünschen und "Nein" ankreuzen. Eine absolute, d.h. situationsunabhängige Ablehnung von lebensverlängernden Maßnahmen kann hier allerdings nicht wirksam verfügt werden.

Sie können eine der beiden Optionen wählen (der auch keine Angabe machen). Ihre Aussage dient dazu, sich ein Bild von Ihrer persönlichen Ausgangslage und tendenziellen Grundhaltung zu verschaffen. Sie gilt im Modell einer SPV nicht als verbindliche Festlegung, sondern als - allerdings durchaus gewichtiges - Indiz bei späteren Entscheidungsabwägungen und Ermittlung Ihrer gewünschten Betreuung (dasselbe gilt für Angaben in Teil C, etwa zu Sterbeort oder seelsorgerischem Beistand). Ihre Grundhaltung ist insbesondere wichtig in medizinisch nicht eindeutigen Situationen.   

H I N W E I S: Wenn Sie  bei Ihrer Grundhaltung „Nein“ wählen, sollten Sie auch im Teil C bei der Frage 8 zum „Sonderfall Wiederbelebung“ die letzte Option ankreuzen: „...Wiederbelebung lehne ich heute schon ab.“

In der Eingabemaske finden Sie unter den verlinkten Begriffen (z. B. „schwere Gehirnschädigungen", "künstliche Ernährung", "Wiederbelebung") medizinische Erklärungen. Klicken Sie diese dort bitte an. Sie werden hier nicht wiederholt. Im Folgenden handelt es sich um weiterführende Erläuterungen und Hinweise.


Teil A:

Situationsbeschreibungen, in denen die Festlegungen der PV (im Teil B) gelten sollen

Im Teil A sind drei Grund- bzw. Standardsituationen festgelegt, die in jede STANDARD-Patientenverfügung gehören („Wenn ich...“). Jeweils darunter befindet sich ein ankreuzbarer Unterpunkt (“auch dann, wenn …“). Diesen sollten Sie wählen, wenn Sie auch dann lebenserhaltende Maßnahmen verbindlich ablehnen wollen. Damit dehnen Sie die Reichweite Ihrer Patientenverfügung aus. Eine  STANDARD-PATIENTENVERFÜGUNG (SPV) bezieht sich jedoch nicht auf Hirnschädigungen nur mittleren oder gar leichteren Grades (wie geistiger Abbau oder altersbedingte Verwirrtheit). Ebenso wenig vorgesehen ist ein sofortiger Behandlungsverzicht bei akuter schwerer Gehirnschädigung. Vielmehr handelt es sich auch bei den ankreuzbaren Optionen um diagnostisch abgeklärte, sehr ernste Situationen. Aber vielleicht haben Sie dennoch Sorge, dass Sie dann „zu schnell aufgegeben“ werden könnten? Wenn Sie dem Lebensschutz Vorrang einräumen möchten, sollten Sie bei der Wahl der Unteroptionen zurückhaltend sein.

Teil A : Sterbeprozess und unheilbare Erkrankung

In der ersten Grundsituation (im Sterbeprozess / „Endstadium“) sollten medizinische Maßnahmen, die nur noch den Tod hinauszögern würden, eigentlich auch ohne Patientenverfügung nicht mehr angewendet werden müssen. Vor allem unerfahrene Ärzte sind aber oft (über-)vorsichtig, was einen Wandel hin zu ausschließlich noch lindernden Maßnahmen betrifft. Das ist auch verständlich, insofern Sterben und das Endstadium einer tödlichen Erkrankung nie verlässlich absehbar sind. Um jedoch auf die Wirksamkeit der Patientenverfügung nicht bis zum Sterbetag warten zu müssen, kann – z. B. für den Fall einer unheilbaren (Krebs-)Erkrankung – der entsprechende Unterpunkt gewählt werden. Er besagt, dass Ihre SPV auch dann gelten soll, wenn „bei schwerem, unheilbarem Leiden der Todeszeitpunkt noch nicht absehbar ist.“ Selbtverständlich könnten Sie immer noch ein ärztliches Angebot z. B. zu einer Chemotherapie oder künstlichen Ernährung annehmen, solange Sie selbst dazu in der Lage sind – denn die Patientenverfügung gilt ja erst bei Einwilligungsunfähigkeit. Sie können für diese Fälle auch in Teil C Punkt 9 einer Vertrauensperson das letzte Wort bei einer Entscheidungsfindung einräumen.

Teil A : Schwere Gehirnschädigungen – Unfall  Koma Besserungsaussichten

In der zweiten Grundsituation (schwere Gehirnschädigung) geht es zunächst um einen akuten Bewusstseinsverlust, d.h. ein tiefes Koma. Dieses kann übergehen in ein jahrelanges „Dauerkoma“ mit teilweise geöffneten, aber ins Leere blickenden Augen (irreführend auch „Wachkoma“ genannt – ein Fachbegriff lautet „Apallisches Syndrom“). Doch alle im Koma befindlichen Patientinnen und Patienten lassen sich nicht aufwecken, müssen immer künstlich ernährt werden und sind bettlägerig. Erhalten sind allerdings meist vegetative Funktionen wie das natürliche Atmen. Hier geht es primär um einen Verzicht auf künstliche Ernährung (und damit Tod) bei einem Koma, welches  ein Wiedererlangen von Bewusstseins- und Empfingungsfähigkeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit unmöglich macht. 

HINWEIS: Der Begriff „künstliches Koma“ ist irreführend und bezeichnet eine medikamentös herbeigeführte Bewusstseinsminderung, um etwa nach schwerem Unfall entlastend zu wirken. Es handelt sich vielmehr um eine Langzeit-Narkose (oder sog. tiefe Sedierung), die natürlich wieder zurücknehmbar ist.

Wenn (nur noch) Reste von Großhirnfunktionen vorhanden sind, spricht man von „Minimalem Bewusstseinszustand“ mit zumindest Aussichten, z. B. das Schlucken und Kauen wieder zu erlernen.

Sie erhalten im ankreuzbaren Unterpunkt Gelegenheit, sich auch dann für einen Behandlungsabbruch zu entscheiden, „wenn absehbar keine wesentliche Besserung dahingehend erfolgt, dass ich wieder Einsichten gewinnen und mit anderen Menschen in Kontakt treten kann (i.d.R. sprachlich).“ Gemeint sind hier Gehinrschädigungen nicht-komatöser Art (sondern eben mit vorhandenem Reaktions- und Empfindungsvermögen), die aber mit schweren Bewusstseinsstörungen einhergehen. Die betroffenen Patienten sind (ohne bewusstlos zu sein) kaum ansprechbar - sie weisen nicht lediglich mittelschwere Sprach-, Lese- und Verständigungsstörungen auf, sondern einen weitgehenden Kontaktverlust (etwa Aphasie nach Schlaganfall) schwersten Grades. Mit "absehbarer Beserung" wird dann eine ausreichende Wahrscheinlichkeit für einen günstigen Verlauf ohne eine solche Schwerstbehinderung vorgegeben. Dabei ist die Prognose allerdings schwierig. Sie hängt von Art, Umfang und Ort der Schädigung im Gehirn ab, vom Alter und der Lebensenergie der Betroffenen sowie von anderen Faktoren.

H I N W E I S: Im  Teil C Punkt 6 können Sie dazu zeitliche Angaben machen, wie lange auf eine wesentliche Besserung gewartet werden soll. Diese Tendenzaussage kann für alle Beteiligten später sehr hilfreich sein.

Teil A : Fortschreitender Hirnabbau - schwere Demenz - Alzheimererkrankung

Die SPV benennt als dritte Grundsituation einen „weit fortgeschrittenen Hirnabbauprozess“ (gemeint ist etwa „Stadium III“ als letztes bei einer Alzheimer-Demenz), in deren Folge der Erkrankte weder essen noch schlucken kann. Hier können Sie im Unterpunkt einen Behandlungsverzicht im Fall einer bereits mittelschweren Demenz (etwa „Stadium II“) wählen, wenn zu dieser eine lebensbedrohliche organische Erkrankung hinzukäme.


Teil B:

Medizinische Festlegungen für alle Situationen, die in Teil A beschrieben bzw. angekreuzt und erweitert sind

In Punkt 1 wird eine umfassende palliativmedizinische Versorgung eingefordert. In Punkt 2 wird vorausgesetzt, dass keine lebensverlängernden (Intensiv-)Maßnahmen mehr durchzuführen sind. Die Ankreuz-Option dort dient dazu, Angehörige zu Hause und Pflegepersonal vor dem Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung zu schützen, wenn diese keinen Notarzt mehr rufen sollen (was in der Regel zu einer Einweisung ins Krankenhaus / auf die Intensivstation führen würde). Nicht selten findet dann das Sterben noch im Rettungsfahrzeug, Aufzug oder auf dem Flur der Notfallstation statt.

In Punkt 3 wird festgelegt, dass Sie in den aufgeführten Situationen keinerlei künstliche Ernährung (Kalorienzufuhr durch Sonde oder Infusion) mehr wünschen. Hier können Sie einen - eingeschränkten - Verzicht auf künstliche Flüssigkeitszufuhr durch Ankreuzen hinzufügen. Dann würden Sie i.a.R. Flüssigkeit nur noch über den  Mund aufnehmen - ohne Durstgefühl haben zu müssen.

Punkt 4 betrifft Nebenwirkungen von Morphin (und anderen Opioiden) wie Müdigkeit und Benommenheit, wenn Schmerzen und Atemnot sonst nicht gelindert werden könnten. Zusätzlich wählbar ist die Möglichkeit einer höheren Dosierung bzw. Kombination mit bewusstseinsdämpfenden Mitteln bei qualvollen Sterbeumständen. Dabei kann eine – zwar sehr unwahrscheinliche, aber nicht auszuschließende -  todesbeschleunigende Nebenwirkung in Kauf genommen werden, wenn Sie dies angekreuzt haben.

Bei Punkt 5 geht es um eine palliativmedizinische Gratwanderung: Einerseits sind Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung besonders anfällig für Infekte, die zu lindern wären. Doch haben auch Antibiotika unerwünschte Nebenwirkungen wie Durchfall oder Übelkeit. Zudem tragen sie zu einer Sterbe- bzw. Lebensverlängerung bei.

HINWEIS: Antibiotika werden – ebenso wie Herz- und Kreislaufmittel – zumindest in der „Endphase“ eher nicht mehr (weiter) eingesetzt und stattdessen Morphin verabreicht.

Es können von Ihnen eine Option oder zwei von insgesamt drei Optionen gewählt werden, aber nicht alle. Das ist hier ganz leicht handhabbar, da die online-Programmierung keine andere Wahlmöglichkeit erlaubt. Insgesamt sind dann im - von uns angefertigten - PV-Dokument 6 verschiedenen Textaussagen möglich (damit ist der höchste Differenzierungsgrad in diesem Modell gegeben).

Wer ein möglichst konsequentes Sterbenlassen in "aussichtslosen" Situationen wünscht, kann auf Antibiotika bei Infekten, auf Herzkreislauf-Mittel u.a. Medikamente verzichten bzw. diese absolut ablehnen (zumal auch diese unerwünschte Nebenwirkungen haben). diese werden zumindest in der "Endphase" des Lebens eher nicht mehr (weiter) eingesetzt und stattdessen Morphin verabreicht. Doch es handelt sich um eine palliativmedizinische Gratwanderung. Einerseits sind Patient*innen mit fortgeschrittener Erkrankung besonders anfällig für zu lindernde Infekte und haben viele chronische Begleiterkrankungen. Die diesbezüglich verordneten Medikamente wirken i.d.R. stabilisierend und tragen so auch zur Lebens- bzw. Sterbeverlängerung bei.

Die meistgewählte Ankreuzoption ist hier die mittlere, d.h. Zustimmung bzw. Erlaubnis (nur) bei Erforderlichkeit zur Linderung. Sie können aber auch zusätzlich (oder ausschließlich) die erste Option wählen, d.h. (konsequente) Ablehnung einer damit verbundenen Lebensverlängerung.  Zusammen mit der ersten oder der mittleren Option kann auch die letzte Option gewählt werden. Dabei soll später Ihrem Patientenvertreter (i.d.R. ein bevollmächtigter Angehöriger) weitgehend die letzte Entscheidung überlassen bleiben.

 

Teil C: Ergänzende Angaben

Punkt 6: (Zeitangabe bei schwerer Gehirnschädigung.

Wie bereits oben bei Teil A erwähnt: Es handelt sich um eine Zusatzangabe zur entsprechenden Situation in Teil A, für die dann auch alle medizinischen Festlegungen gelten sollen. Dort können Zeitangaben für eine Wartefrist auf mögliche Besserung vorgenommen werden. Es kann sich hierbei nur um Tendenzaussagen handel, die trotzdem aufschlussreich sind. Diese können z. B. lauten: "Wenige Wochen", "ca. 3 Monate" oder "max. 15 Monate".

Mögliche Anhaltspunkte für eine Wartezeit auf Besserung:

Ein typischer Verlauf der Behandlung bei schwerster Hirnverletztung und -schädigung kann in einem Phasenmodell (A - F) beschrieben werden. Dabei werden nicht unbedingt alle Phase hintereinander durchlaufen. Auch die Zeitdauer bleibt naturgemäß unbestimmt. Vielmehr richtet sich der Prozess nach Genesungsfortschritten und Wiedererlangung von Fähigkeiten der Patient*innen. 

HINWEIS: Ein „Wiederaufwachen“ aus einem längeren Koma bleibt oft verbunden mit körperlichen Behinderungen sowie bleibenden starken Bewusstseins- und Kommunikationseinschränkungen. Man spricht dann von "Phase F", die auf Langzeit bzw. Dauerhaftigkeit angelegt ist. Sie erfolgt meist schon nach nach den ersten Phase (A oder B), ohne dass überhaupt die Reha-Phasen C und D angesteuert werden können bzw. in Frage kommen.  

Eine schwere Hirnschädigung wird zunächst im Akutfall (Phase A) immer auf der Intensivstation eines Krankenhauses behandelt. Dort können stationär bereits in der ersten Woche Versuche einer Frührehabilitation (Phase B) stattfinden, dazu gehören das Trainieren von Kauen und Schlucken oder einfache passive Bewegungsübungen (auch bei Nicht-Ansprechbarkeit der Patient*innen).

Während einer Anschlussheilbehandlung („Reha“) von i.d.R. zunächst drei weiteren Wochen finden die häufigsten – wenngleich manchmal auch nur kleinen – Fortschritte statt (sog. Phase B bis C). Ein ggf. anschließender Aufenthalt in neurologischen Rehakliniken sowie nach dortigem Erfolg mit Nachsorge-Reha (sog. Phase D und E) dauert meist Monate. Ziele sind - sofern Aussicht darauf besteht - die Verbesserung von Sprech- und Kommunikationsvermögen, Mobilität, Selbsthilfefähigkeit u.a. (die Patient*innen müssen dabei schon mitarbeiten können und "frühmobilisiert" sein). Bei Behandlungserfolg geht es anschließend um dessen Sicherung, nachgehende Verminderung von Pflegebedürftigkeit und Wiedereingleiderung. In eher seltenen Fällen kann eine Rückkehr in die „Normalität“ bzw. die Teilhabe am privaten oder gar beruflichen Leben ermöglicht werden. Umgekehrt kann aber auch eine Dauerpflegebedürftigkeit aufgrund geistiger, motorischer und kommunikativer Funktionsstörungen bestehen bleiben (Phase F unmittelbar nach akuter Phase A oder nach Phase B bis C) – ggf. sogar mit andauernd lebensnotwendiger künstlicher Beatmung und künstlicher Ernährung. Übersicht über Phasenmodell siehe hier.

 Ein Koma gilt dann als - aller Wahrscheinlichkeit nach - unumkehrbar bzw. das Bewusstssein als unwiederbringlich,

  • wenn bei schwerer Kopfverletzung (Schädel-Hirn-Trauma durch gewaltsamen Aufprall oder Schlag) nach einem Jahr keine Verbesserung eingetreten ist,
  • wenn ein Koma mit „nicht-traumatischen“ Ursachen (wie Stoffwechselstörung, Schock, Hirninfarkt) länger als 6 Monate anhält.
  • wenn (in einem Akutfall) innerhalb der ersten 72 Stunden keine Anzeichen einer „zerebralen Erholung“ (z. B. Pupillenreaktion) festgestellt werden können - es muss dann oft zeitnah mit einem tödlichen Verlauf oder zumindest mit einem Dauerkoma gerechnet werden (dies ist in der Grundsituation in Teil A abgedeckt und muss nicht eigens erwähnt werden).

Beispiel 1: Wenn Sie "Wenige Wochen" eingeben, würde dies in etwas bedeuten: Sie nehmen die Reha-Maßnahmen in Phase B bis C in Anspruch, wobei die Anzahl der Wochen einzelfallbezogen ist, aber zumindest nicht Monate dauern sollte. Sofern dann unmittelbar Phase F droht (Dauerpflegebedürftigkeit ohne Aussicht auf Besserung, d.h. ohne dass noch weitere neurologische und nachsorgende Reha-Angebote angezeigt sind), lehnen Sie lebensverlängernde Maßnahmen ab.

Beispiel 2: Wenn Sie "Wenige Monate" (oder z. B. "max. 4 Monate" oder "ca. 2 Monate") eingeben, würde dies in etwa bedeuten: Sie nehmen, auch bei andauerndem Koma eine neurologische Reha an, sofern dann (ggf. präzise nach der angegebenen Zeitdauer)  keine Ansprechbarkeit erzielt wird, lehnen Sie weitere lebensverlängernde Maßnahmen ab. Der Zusatz "max." zeigt an, dass dies bei sehr schlechten Besserungsaussichten auch schon früher gilt.

Beispiel 3: Wenn Sie z. B. 12 (oder 18 oder max. 24)  Monate eingeben, würde dies in etwa bedeuten:  Sie nehmen, auch bei andauerndem Koma in dieser Zeit alle Reha-Maßnahmen an und wollen auch geringe verbleibende Hoffnung ausschöpfen. Sofern nach der angegebenen Zeitdauer keine Ansprechbarkeit erzielt wird, lehnen Sie jedoch weitere lebensverlängernde Maßnahmen ab

Beispiel 4: Wenn Sie nur 1 Woche angeben, würde dies in etwa bedeuten: Sie nehmen nur die Erstbehandlung im Krankenhaus in Anspruch. Das Leben einer PEG-Magensonde ist ist nicht angezeigt, da für eine Woche künstliche Ernährung auch durch Kalorienzufurh durch Infusion möglich ist. 

Punkt 7 betrifft ein Sterben-Lassen im Fall von eingetretener Einwilligungsunfähigkeit bei körperlich bedingter Schwerstpflegebedürftigkeit. Allerdings gilt auch diese gewünschte Option im SPV-Modell nicht als verbindliche Festlegung für einen weitestgehenden Verzicht auf alle lebensverlängernen Maßnahmen und Mittel. 

In Punkt 8 wird der Sonderfall Wiederbelebung (Reanimation) erneut allgemein im Sinne Ihrer Grundeinstellung behandelt, d.h. unabhängig von zukünftigen Krankheitssituationen in Teil A. Schon ganz zu Anfang wurde erwähnt, wann dort jedenfalls die letzte Option (absolute Ablehnung von Wiederbelebungsversuchen) anzukreuzen ist. Es kann hingegen die erste Option gewählt werden (prinzipiell gewünschte Wiederbelebung), wenn bei der Anfangsfrage angekreuzt wurde “Ja, solange realistische Aussichten bestehen ….” (oder dort gar keine Angabe gemacht wurde). Leider bestehen realistische Aussichten zur Wiedererlangung eines umweltbezogenen, bewussten Lebens in der Regel nur unter einer Bedingung, die in der Praxis kaum zu kontrollieren ist: Wenn nämlich der Atem-, Herz- und Kreislaufstillstand nicht länger als 5 Minuten zurückliegt. Sie werden die Chance zum Weiterleben und das eher wahrscheinliche Risiko von schweren Folgeschäden subjektiv abzuwägen haben. Vielleicht kommt für Sie am ehesten die entsprechende mittlere Option in Frage. Sie ist für diejenigen gedacht, die nach Herz-/Kreis­lauf­stillstand eine Wiederbelebung nur im Rahmen eines bestimmten Zeit­fensters in Anspruch nehmen wollen. Bei dieser Wahl stimmen Sie v.a. Wiederbelebungsversuchen in der Klinik zu, geboten, wenn diese dort zeitnah etwa bei einer Operation nötig würden.

H I N W E I S zu Wiederbelebungsmaßnahmen:

Die meisten der Patienten, die später als innerhalb von 3 bis 5 Minuten wiederbelebt werden, tragen dadurch dauerhaft schwere Gehirn­schä­di­gungen davon (Ursache dafür ist, dass die Nervenzellen des Gehirns am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel reagieren). Die Berücksichtigung dieser Zeitangabe kann in der außerklinischen Praxis nicht ver­lässlich gewährleistet werden, allein deswegen, weil ein Atem­still­stand bei einem Bewusstlosen etwa zu Hause oder auf der Straße nicht auf die Minute genau feststellbar sein dürfte. Dennoch macht auch hierzu das Wissen um Ihre Einstellung Sinn.

In der Broschüre "Patientenverfügung" des Bundes­minis­teriums der Justiz (BMJ) wird bei der mittleren Option von folgender Konstel­la­tion aus­ge­gangen: Jemand lehnt wegen des großen Risikos von Folgeschäden oder aus anderen Gründen eine Wiederbelebung zwar prinzipiell ab. Er schließt diese aber dann nicht aus, wenn der Herz- oder Atem­stillstand »im Rah­men ärztlicher Maßnahmen« (BMJ, S. 24) eintritt, denen er selbst zugestimmt hat oder zustimmen würde. Diese Option wurde insbesondere eingeführt für Operationen, die sonst von Ärzten (ohne erlaubte Wiederbelebungsversuche bei Komplikationen) auch verweigert werden können.


Bei Punkt 9 können Sie bestimmen, dass Ihre Gesundheitsbevollmächtigten das „letzte Wort“ haben sollen. Sie können auch ein Sie betreuendes und pflegendes Umfeld damit betrauen, bei der späteren Ergründung Ihres dann „natürlichen“ Willens maßgeblich mitzuwirken. Zudem können Sie betonen, dass Ihre verbindlichen Festlegungen direkt und unmittelbar für Ärzte (etwa im Krankenhaus) zu gelten haben.

Punkt 10 betrifft den „letzten“ Aufenthaltsort. Ein gewünschtes Sterben zu Hause bedarf meist der Unterstützung von Hausärzten oder von sog. SAPV-Teams („Spezialisierte ambulante Palliativ-Versorgung“ vor allem für Krebspatientinnen). Diese bestehen aus besonders geschulten Ärzten, Pflegekräften, anderen Berufsgruppen und ehrenamtlichen Hospizhelferinnen. Doch häufig mangelt es an einem notwendigen familiären Umfeld oder v. a. im ländlichen Raum an den Versorgungsstrukturen. Nichtsdestotrotz ist es sinnvoll, sich beizeiten mit verfügbarer ambulanten Versorgung beschäftigen sowie mit möglichen stationären Alternativen. 

HINWEIS: Nach groben Schätzungen sterben ca. 45 % der Bevölkerung im Krankenhaus (auf einer Intensiv- oder Normalstation), gut 30 % im Pflegeheim und ca. 20 % zu Hause. Der Zugang für Todkranke (i.d.R. bewusstseinsklare Krebspatienten) in ein Hospiz ist gemäß Sozialgesetzbuch V § 39a streng limitiert. Nur ca. 3 % sterben in einem Hospiz (oder auf einer Palliativstation, die im Krankenhaus auf Beschwerdelinderung spezialisiert ist).

 In Punkt 11 können Sie angeben, dass Sie später z.B. den Beistand eines Pfarrers wünschen oder die Unterstützung einer Organisation, in der Sie Mitglied sind.


 

Teil D Organspende und Hirntod

Bei Punkt 10 geht es um die Frage der Spende von Organen (wie Herz, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Lunge), um fremdes Leben zu retten. Nach deutschem Gesetz gilt der festgestellte Hirntod sowie eine Zustimmung (vorsorglich des Betroffenen oder sonst seiner Angehörigen) als Voraussetzung für eine erlaubte Entnahme. Hirntod bedeutet, dass alle (!) Gehirnfunktionen (von Groß-, Stamm- und Kleinhirn) vollständig und unwiederbringlich erloschen sind.

Doch müssen die entnommenen Organe für die bedürftigen Empfänger „lebensfrisch“ bleiben. Deshalb wird die Herz- und Atmungsfunktion des Spenders durch intensivmedizinische Apparaturen künstlich bis zu ein paar Tagen aufrecht erhalten. Der Hirntod ist medizinisch als Tod des Menschen definiert. Jedenfalls ließe das vollständig abgestorbene Gehirngewebe für den Spender keinen möglichen Weg zurück ins Leben – auch nicht im Dauerkoma – mehr zu. Strittig ist allerdings, ob das „volle Hoch-Technologie-Programm“ zu dem in einer Patientenverfügung gewünschten Sterben nicht in Widerspruch steht. Die Bundesärztekammer (BÄK) schlägt als klärende Zusatzbestimmung vor: „Mir ist bewusst, dass Organe nur nach Feststellung des Hirntods bei aufrechterhaltenem Kreislauf entnommenen werden können. Deshalb gestatte ich ausnahmsweise … die kurzfristige … Durchführung intensivmedizinischer Maßnahmen zur Bestimmung des Hirntods … und zur anschließenden Entnahme der Organe.“ (BÄK vom Januar 2013).

HINWEIS: Phänomene des „Hirntods“ wurden erstmalig vor gut 50 Jahren beschrieben. Seit Menschengedenken galten vorher Totenstarre, -flecken und starke Abkühlung als sichere Todeszeichen. Doch ist die Haut des „Hirntoten“ warm und rosig, seine Organe sind in voller Funktion.

Sie können auch nur ankreuzen, dass Gewebe (wie Augenhornhaut, Gehörknöchelchen, Haut, Herzklappen) an Ihrem Leichnam entnommen werden darf was den ganz normalen Tod voraussetzt. Auf den seit 2008 u.a. von den Krankenkassen in Umlauf gebrachten Spenderausweisen werden Organ- und Gewebespende jedoch in eins gesetzt – beide, heißt es dort im Fall der Zustimmung, dürfen „nach meinem Tod“ erfolgen. Demgegenüber ist auf dem  NOTFALLKÄRTCHEN, welches Ihnen mit zugeschickt wird, im Falle der Organspende präzise von „nach meinem Hirntod“ die Rede.

Erstellung von Vollmachen kostenfrei inbegriffen

Wir erstellen Ihnen grundsätzlich Gesundheitsvollmachten, in denen Sie bis zu drei Personen benennen können, die später Ihren Willen zur Geltung bringen sollen, wenn Sie selbst dazu einmal nicht (mehr) in der Lage sein könnten. Es ist zudem nicht so, dass Ehepartner oder Angehörige ein Anrecht darauf haben, z.B. über Ihren Gesundheitszustand informiert oder in die Entscheidung über medizinische Angelegenheiten einbezogen zu werden. Hierzu bedarf es einer Legitimierung durch eine Vollmacht für gesundheitliche Angelegenheiten.

Darüber hinaus empfehlen wir als Ergänzung die Ausstellung einer Vorsorgevollmacht für finanzielle und rechtliche Angelegenheiten. Hinweis: Diese ist keine Bankvollmacht und es können mit ihr keine Immobilien oder Geschäftsanteile veräußert werden. 

Sie können Namen, Adressen und Telefonnummern Ihrer Bevollmächtigten eintragen.

Wenn Sie niemanden haben, den Sie bevollmächtigen können, erstellen wir gerne eine Betreuungsverfügung für Sie, in der Sie dann z.B. einen Betreuungsverein Ihrer Region eintragen können. Die Regelung Ihrer finanziellen Angelegenheiten, wenn Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind, untersteht dann der Kontrolle eines Amtsgerichtes.

Zu guter Letzt: Gebührenerstattung

Wir erfüllen auf gemeinnütziger Basis unseren humanistischen Auftrag zur aufgeklärten und verantwortlichen Selbstbestimmung – in diesem Bereich ohne jede Fremdfinanzierung staatlicher oder sonstiger Art.

Lassen Sie uns zum Schluss bitte wissen, welchen Betrag wir Ihnen für Ihr VORSORGE-PAKET in Rechnung stellen dürfen. Glücklicherweise sind immer wieder Klientinnen und Klienten bereit, dort als „Solidaritätsbeitrag“ etwas (oder sogar bedeutend) mehr als die angegebene reguläre Gebühr einzutragen. Dies ermöglicht uns eine reduzierte Gebühr (z.B. für Grundsicherungs-Empfänger) und eine teils aufwändige persönliche oder telefonische Beratung kostenfrei anzubieten. Vielen Dank!

Übrigens: Sie werden mit Zusendung Ihres Vorsorge-Pakets auch darüber informiert, dass und wie Sie Ihre fertige Patientenverfügung bei uns in der Bundeszentralstelle hinterlegen können. Wir sind dann gern auch weiterhin für Sie da.