Grenzen der Standard-PV ... Alternativen: Optimal-PV oder selbst formulieren

Sie können sich gegen eine geringe Gebühr (36 €) per online-Eingabe eine erweiterte Standard-PV 2015 abfassen lassen (wenn nicht online übermittelt für 50 €).

Zwar ist auch eine Standard-PV, die aus bewährten Textbausteinen besteht, prinzipiell verbindlich. Aber nur beschränkt auf die genannten Standard-Situationen. Eine Differenzierung ist in den Vorgaben nicht möglich (wie z. B. Antibiotika für den Fall einer mittelschweren Demenz zuzulassen, für den Sterbeprozess aber abzulehnen). Auch ist im Standard-PV-Modell nicht vorgesehen, eine ganz bestimmte Behandlung (wie künstliche Ernährung durch PEG-Magensonde) pauschal für alle Fälle abzulehnen.

In der Praxis sind Ärzte und Patientenvertreter zudem oft mit Behandlungsentscheidungen konfrontiert, die auf unsicherer Grundlage getroffen werden müssen. Oder die Situation ist nicht identisch mit der, die in einem Textbaustein der Standard-PV genannt ist. Dann muss der Patientenwille interpretiert, die Patientenverfügug ausgelegt werden. Dabei sind auch subjektive Faktoren zu berücksichtigen: Welche Rolle spielen "Kämpfernatur", "Am Leben hängen", "Lebensüberdruss", Dauerpflegeabhängigkeit", "Resthoffnung", "Humanes Sterben" für den Betroffenen? Zudem geht es um Abwägungen, die Nutzen, Belastungen und Risiken und Grad der ggbf. zu erreichenden Besserung mit einbeziehen.

Da sie nur die eindeutigen Entscheidungen "Ja" oder "Nein" zulässt, sind subjektive Faktoren und Abwägungen in einer Standard-PV nicht erfassbar.

Vortrag G. Neumann, im Hintergrund J. Stünker

Wer auch diese wichtigen Punkte mit einschließen möchte, kann auf das anspruchsvollere Modell einer optimalen Patientenverfügung zurückgreifen. Damit sind prinzipiell alle Situationen von Einwilligungsunfähigkeit abzudecken und differenziert zu bewerten. Z. B.: Wenn ich einwilligungsunfähig und zusätzlich körperlich schwerstpflegebedürftig bzw. bettlägerig bin, erlaube ich keinerlei Medikamente mehr, die noch stabilisierend wirken können (in anderen Fällen oder bei gewissen Besserungsaussicht dagegen wünsche ich diese vielleicht schon.)

Foto: Vorstellung der beiden Modelle auf einer Info-Veranstaltung 2009. Im Hintergrund: Der damalige Rechtspolitische Sprecher der SPD Joachim Stünker (MdB), dessen PV-Gesetzentwurf am 18.06.2009 im Bundestag die Mehrheit erhielt.

Für eine optimale Patientenverfügung ist ein entsprechender Fragebogen auszufüllen, in den eine sogenannte Wertanamnese integriert ist. Dieser enthält keine Textbausteine, die einfach zusammenzusetzen wären, sondern muss vielmehr fachkundig ausgewertet werden (Gebühr für eine fertige Optimale Patientenverfügung: max. 140 Euro). Um die Abfassung müssen Sie sich dann nicht selbst kümmern.

Vor allem aber: Es wird durch die professionelle Abfassung verhindert, dass medizinische Anweisungen und Geltungsbereiche u. U. in Widerspruch mit den eigenen Wertvorstellungen geraten. Dies kann sonst nämlich sehr leicht passieren.

 

Unser Tipp: Wenn Sie Gebühren sparen und eine individuelle Patientenverfügung selbst zusammenstellen möchten

Sie können so vorgehen: Greifen Sie auf das Modell einer erweiterten Standard-PV zurück. Dort können erweiterte Situationen angegeben werden. Bringen Sie dann in eigenen Worten auf einem Zusatzblatt Ihre persönlichen Einstellungen, Umstände und Abwägungen zu Papier.

Wie Sie kostenfrei zum Grundgerüst einer Standard-PV kommen:

Sie können sie

Bitte beachten:

Der PV-Fragebogen für eine OPTIMALE Patientenverfügung eignet sich hingegen nicht als Grundlage für eine komplett selbst verfasste PV. Der PV-Fragebogen dient der qualifizierten Auswertung durch Fachkräfte und besteht nicht aus Textbausteinen zum Zusammenstellen! Die Gefahr unsachgemäßer, widersprüchlicher oder unvollständiger Aussagen wäre damit zu groß.