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dann hätte Augstein verfügt

10. November 2008

Die folgenden Auszüge sind einem Beitrag entnommen von Pastor Traugott Giesen. Er antwortet damit auf den Vorwurf, dass die Kirche mit der Vereinnahmung des leidenschaftlichen Atheisten die Achtung vor sich selbst und ihren Widersachern verloren habe (siehe Newsletter vom 24.11.; Tagesspiegel vom 21. und 24.11.).

Auszüge aus der Antwort von Pastor Giesen vom 24. November 02:

‚Man muss nicht meinen, Augstein wäre Unrecht getan. Wenn er sich Kirche vom Leib, von seinem Leichnam, hätte fernhalten wollen, hätte er das verfügt Dass Kirche da ist, findet er spätestens jetzt, da er in der Fülle der Liebe und des Wissens ist, gut. Wer sonst ist berufen, dafür einzustehen, dass die Liebe das Sterben für etwas anderes hält als Verlöschen. Die Liebe will, dass der Geliebte ewig bleibt. Dass uns nicht der Tod aufsaugt, sondern die Liebe vollendet. Diese Sehnsucht muss die christliche Gemeinde verstärken. Keiner verstärkte die Gewissheit, dass Gott noch viel mit uns vorhat, so sehr wie Jesus Christus: ‚Ich lebe, und ihr sollt auch leben‘ sagt er auch Rudolf Augstein zu unabhängig, ob ihm der Christus aufgegangen ist oder ob er nur mit dem Menschensohn ein Stück Weges gegangen ist. Auch ob wir Gott finden mitten in diesem Leben, ist nicht das Wichtigste. Sondern dass wir von Gott gewollt und gefunden sind. Außerdem ist Christsein kein Besitz. Der Heilige Geist beruft, sammelt, erleuchtet, heiligt das machen wir nicht selber Zu Grabe brachten wir den ausgedienten Leib; den Reisesack des Lebens (R. Musil). Aber er ist mit Flügeln der Morgenröte von uns genommen, sein Ich, seine Seele ist vorweggenommen in ein Haus von Licht das ist mein Vertrauenswissen.‘

(Traugott Giesen ist Pastor der Keitumer St. Severin-Kirche auf Sylt, wo Rudolf Augstein begraben wurde.)

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