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Demoralisierende Verzögerungstaktik

10. November 2008

Ambulante Palliativ-Teams sind überall in Deutschland sehr erfolgreich. Beispiel:
Was die Mitarbeiter des Greifswalder Palliativ-Care-Teams leisten, ist mit Geld nicht zu bezahlen. Sie betreuen schwerstkranke Patienten, sind Tag und Nacht verfügbar und ersparen den Menschen Schmerzen.
Um das zu etablieren, braucht man aber nicht nur Idealismus, sondern auch Geld. In Greifswald haben die Initiatoren von Projektleiter Dr. Wolf Diemer bis zur Ärztekammer als Träger des Modells alles versucht: Sie haben mit den Kassen verhandelt, Fördermittel vom Bund eingeworben, Politiker überzeugt und Zahlen sprechen lassen. Doch die Kassen mauern. Obwohl die Greifswalder Ergebnisse, dass das Projekt den Kassen bares Geld spart, seit einem Jahr auf dem Tisch liegen, wird die Übernahme in die Regelversorgung blockiert. Offizieller Grund: Der MDK soll eine Kontrollstudie auswerten, bevor entschieden wird was angeblich jetzt zeitnah erfolgen soll.

Warum ein mit öffentlichen Geldern gefördertes Projekt, dessen Einsparerfolg seit einem Jahr nachgewiesen ist, vom Medizinischen Dienst bis heute nicht bewertet werden konnte, bleibt nebulös. Für die betreuenden Ärzte vom Palliatv-Care-Team muss diese Verzögerungstaktik demoralisierend sein, die Übernahme in die Regelversorgung bleibt zunächst Wunschdenken.
(Quelle: Ärztezeitung vom 19.05.2003)

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