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Denkanstoß: Kriegskinder-Generation

10. November 2008

Im folgenden finden Sie einen ‘Denkanstoß’ mit Veranstaltungshinweis der Privaten Trauerakademie Fritz Roth in Bergisch Gladbach:


‘Wir sind doch zum Schweigen erzogen worden’

Kriegskinder so werden jene Kinder genannt, die den Krieg als Kind erlebt oder die während des Krieges geboren wurden. Tod und Leiden gehörten zu den ersten Erfahrungen in ihrem jungen Leben.

Der Krieg ist lange her. Viele von ihnen sprechen noch immer nicht über diese Zeit. Sie sprechen nicht über Nächte in Luftschutzkellern, über Bombeneinschläge und endlose Flüchtlingstrecks, über Hunger und Kälte. Viele können es nicht. Sie mussten lernen, dass ihre Ängste und ihr Leid nicht zählten. Sie wurden abgefertigt mit Sätzen, wie: ‘Sei doch froh, dass du überlebt hast.’

Kriegskindern wurde geraten, nicht über den Schrecken den sie gesehen, nachzudenken alles zu vergessen. Das haben viele der vor 1945 Geborenen gründlich befolgt. Andere sagen heute, es hätte ihnen ja nicht geschadet, oder was sie erlebt hätten, wäre damals eben normal gewesen. Es gibt auch Kriegskinder, die meinen, sie seien damals gar nicht so unglücklich gewesen. Sie hätten es ja nicht anders gekannt.

Die meisten Kriegskinder haben später als Jugendliche und Erwachsene mit niemandem über ihre Erfahrungen gesprochen. Der Wiederaufbau nahm ihre ganze Kraft in Anspruch, danach der Alltag mit eigenem Beruf und Verantwortung für eine Familie. Da war für die ‘alten Geschichten’ kein Platz und keine Zeit. Und für Trauer um den gefallenen Vater, die bei einem Bombenangriff ums Leben gekommene Mutter eben auch nicht.

Oft brechen seelische Probleme erst auf, wenn das Gerüst aus Berufsleben und Familienalltag nicht mehr da ist. Erinnerungen, die man oft ein ganzes Leben lang verdrängt hat, dringen plötzlich wieder ans Tageslicht und fordern Aufmerksamkeit.

Das Interesse am Austausch der Kriegskinder untereinander wächst, nun da viele von ihnen den oft nötigen Abstand gefunden haben.

Eine Gelegenheit dazu finden Sie am 05. Juni 2003 in der Privaten Trauerakademie Fritz Roth in Bergisch Gladbach.

Aufgrund des großen Interesses findet dort die zweite Tagung ‘Eine unauffällige Generation und die vergessene Trauer’ statt, die sich mit den Folgen der Kriegskindheit in Deutschland beschäftigt. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie unter Tel.: (02202) 935 80.

Ihr Fritz Roth
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