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Frankreich: Ärztlicher Sterbehilfeaufruf Präsidentschaftskandidaten reagieren

10. November 2008

14. März 2007
“ Der sozialistische Parteivorsitzende Francois Hollande sprach sich laut Medienberichten vom Dienstag für Straffreiheit unter bestimmten Umständen aus. Der Zentrumspolitiker und Präsidentschaftskandidat Francois Bayrou lehnte Gesetzesänderungen ab.
Hollande sagte, die sozialistische Präsidentschaftskandidatin Segolene Royal wolle eine Gesetzesänderung durch das Parlament bringen, wenn sie gewählt werde. Ein Sterbehilfegesetz müsse allerdings mit größtmöglicher Vorsicht formuliert werden, um die aktive Lebensbeendigung nur in Ausnahmefällen zu ermöglichen und Missbräuche auszuschließen.
Der Präsidentschaftskandidat der konservativen Regierungspartei UMP, Nicolas Sarkozy, hatte bereits früher erklärt, auch er sei für eine Änderung. Angesichts des Leidens der Sterbenden könne man nicht mit verschränkten Armen zuschauen

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Deutsches Ärzteblatt


14. März 2006: Umfrage: Große Mehrheit von Franzosen für Sterbehilfe

Paris Eine große Mehrheit der Franzosen hat sich in einer Umfrage für die aktive Sterbehilfe ausgesprochen. 77 Prozent hätten sich in der von der „Vereinigung für das Recht auf Sterben in Würde“ in Auftrag gegebenen Umfrage für eine Gesetzesänderung zur Freigabe ausgesprochen, berichteten französische Medien am Dienstag. Weiter unter aerzteblatt.de


Frankreich: Ermittlungen nach Sterbehilfe für 22-Jährigen eingestellt Dienstag, 28. Februar 2006

Lille Rund zweieinhalb Jahre nach dem dramatischen Fall von Sterbehilfe für den jungen Vincent Humbert in Nordfrankreich ist das Verfahren gegen seine Mutter und seinen Arzt eingestellt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Montag gab die zuständige Untersuchungsrichterin damit ihrem Antrag statt. Marie Humbert und Frédéric Chaussoy hatten dem nach einem Unfall schwerstbehinderten Vincent Humbert im September 2003 auf seinen Wunsch hin das Sterben ermöglicht. Beiden drohten lange Strafen.

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Das Schicksal eines verunglückten Mannes bewegt Frankreich
Von Hans-Hagen Bremer (Paris), Frankfurter Rundschau vom 26.09.2003

Das Unglück brach vor drei Jahren über Vincent Humbert und seine Familie herein. Nach einem langen Wochenende mit Bereitschaftsdienst wurde der 22-jährige Feuerwehrmann aus der Normandie am 24. September 2000 auf der Heimfahrt Opfer eines Verkehrsunfalls. Neun Monate lag er in tiefer Bewusstlosigkeit. Die Ärzte retteten sein Leben, doch die Freude am Leben fand er nicht wieder. Sein Körper ist gelähmt, er hat das Augenlicht verloren, kann nichts mehr schmecken oder riechen, und er ist stumm. Nur sein Gehör ist ihm geblieben. Doch auch das hilft ihm nicht mehr, seit der Versuch seiner Mutter scheiterte, Humberts Leben zu beenden.

Um sich verständlich zu machen, drückte er mit dem rechten Daumen leicht die Hand seines Gegenübers, wenn der beim Aufsagen des Alphabets den richtigen Buchstaben nannte. So setzte er im Gespräch mit seiner Mutter Marie Humbert, die ihre Arbeit aufgab und ihn jeden Tag in dem Pflegeheim bei Calais besuchte, mühsam Wörter zusammen. Anfangs hatte er noch Hoffnung. Doch kein Arzt sah einen Ausweg. Eines Tages bat Humbert die Mutter, sie möge ihm sterben helfen.

Vom Schicksal des jungen Mannes erfuhr die französische Öffentlichkeit im Dezember 2002. In einem Brief hatte er Präsident Jacques Chirac seinen verzweifelten Wunsch mitgeteilt: „Sie haben das Recht zu begnadigen, ich bitte Sie um das Recht zu sterben.“ Tief berührt lud der Präsident die Mutter in den Elysee-Palast ein, erfüllte den Wunsch des Sohnes aber nicht. Für Vincent Humbert war es eine große Enttäuschung und nicht nur für ihn.

„Was soll eine Mutter tun, die von ihrem Sohn angefleht wird, ihm zu helfen?“, fragte Marie Humbert Anfang dieser Woche. Schlimmer als Gefängnis sei für sie, Vincent weiter leiden zu sehen. In mehreren Interviews bereitete sie die Öffentlichkeit auf ihren Plan vor. Teil dieser von einem Verlag inszenierten Medienkampagne, die auch die Frage des Verbots aktiver Sterbehilfe erneut aufwarf, war auch das für den gestrigen Donnerstag angekündigte Erscheinen eines Buchs: „Ich fordere, sterben zu dürfen“, hat Vincent Humbert mit Hilfe eines Journalisten die Geschichte seines Leidens betitelt. „Ich werde es nicht lesen können, denn ich bin schon am 24. September 2000 gestorben“, heißt es darin.

Drei Jahre danach scheiterte nun seine Hoffnung, mit Hilfe der Mutter sein Leiden zu beenden. Am Mittwochnachmittag mischte sie Gift in seine Nährflüssigkeit. Ein Arzt entdeckte es. Marie Humbert erwartet nun ein Verfahren wegen versuchter Tötung. Am Donnerstag durfte sie in Begleitung ihres Anwalts und eines Psychiaters ihren in tiefem Koma auf der Intensivstation liegenden Sohn besuchen.


Letzte Meldung (Quelle: Baseler Zeitung), 26.09., mittags: Franzose nach spektakulärer Sterbehilfe tot Berck-sur-Mer. AFP/BaZ.
Nach einem dramatischen Fall von Sterbehilfe durch seine Mutter ist in Frankreich ein junger Schwerstkranker gestorben. Der nach einem schweren Unfall seit drei Jahren bettlägerige Vincent Humbert, der zudem nahezu blind und stumm war, sei am Freitagmorgen in der Intensivstation einer Klinik in Berck-sur-Mer am Ärmelkanal gestorben, teilte die Staatsanwaltschaft Boulogne-sur-Mer mit.

Seine Mutter Marie hatte ihrem Sohn am Mittwoch eine Überdosis Schlafmittel verabreicht und war deswegen zunächst in Untersuchungshaft genommen, dann aber selbst in medizinische Betreuung überstellt worden. Vincent Humbert hatte öffentlich um das „Recht zum Sterben“ gebeten und sich dazu auch an Staatschef Jacques Chirac gewandt. Der Fall löste in Frankreich eine heftige Debatte über Sterbehilfe aus.
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