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Hospizbegleitung: dazu lernen, Kraft schöpfen, Entscheidungsqualität verbessern

10. November 2008

Dazu lernen, Kraft schöpfen und auch die Entscheidungsqualität am Lebensende verbessern helfen

Das ehrenamtliche Team des ambulanten Hospizdienstes V.I.S.I.T.E. (für: Vorsorge, Initiative, Sterbebegleitung, Trauerhilfe und Ermutigung) in Berlin-Mitte ist bunt zusammen gewürfelt: Alle möglichen Berufe, Junge und Alte, Mitarbeiter/innen mit vielen Jahren Erfahrung und neu dazu gekommene dabei bedeutend mehr Frauen als Männer. Gemeinsam ist ihnen die Bereitschaft, Schwerstkranke und Sterbende und deren Familien durch die Zeit des Abschiednehmens zu begleiten, ihnen Zeit und Zuwendung zu schenken und auch ganz praktische Hilfe in dieser schwierigen Lebensphase anzubieten. Eine Aufwandsentschädigung gibt es allenfalls für entstandene Fahrtkosten u. ä. dafür aber vielfältige Möglichkeiten, dazu zu lernen.

Eine fundierte Ausbildung und Fortbildung in regelmäßigen Zeitabständen ist für Ehrenamtliche im ambulanten Hospizdienst absolut notwendig, sagt Gudrun Ott-Meinhold, Diplom-Pädagogin aus der früheren DDR, die sich seit Ende der neunziger Jahre zur Hospizkoordinatorin und Palliativpflegeberaterin weiterqualifiziert hat. Sie ist seit vielen Jahren hauptamtliche Leiterin des Hospizdienstes, kennt jeden Ehrenamtlichen persönlich und weiß aus eigener Erfahrung, welche Kenntnisse am Sterbebett wichtig sind. Die reine Koordinierungstätigkeit wird von den Krankenkassen finanziert weitere Kosten wie Miete usw. über Spenden.

Alle, die sich für diese ehrenamtliche Arbeit interessieren, besuchen zunächst ein Wochenend-Seminar, um einige zentrale Fragen für sich selbst zu klären. Zum Beispiel die nach der Motivation. Meist sei es eine persönliche Erfahrung mit dem Tod, die das Interesse geweckt hat, berichtet Gudrun Ott-Meinhold die kann schlecht oder gut gewesen sein. Schlecht ist sie zum Beispiel, wenn jemand nicht dabei sein durfte, als ein ihm nahe stehender Mensch starb oder wenn er “eine menschenunwürdige Situation” im Angesicht des Todes erleben musste. Gut ist sie, wenn jemand erfahren hat, dass die Begleitung bis zum Schluss eine “menschliche und persönliche Bereicherung” dargestellt hat.

In diesem ersten Seminar entscheidet sich, wer tatsächlich dabei bleiben wird. Aber erfahrungsgemäß springen nur wenige ab. Insgesamt dauert die “Grundausbildung” ein Jahr, inklusive Praktikumsphase. Vor der ersten Begleitung gibt es den Kursteil: “Der erste Besuch” mit praktischen Übungen, auch dazu, was beim Betreten des Krankenzimmers so passieren kann. Der V.I.S.I.T.E.-Hospizdienst hat, wie sein Träger, der Humanistische Verband Deutschlands, ein nicht-religiös geprägtes, humanistisches Selbstverständnis. Wie persönliche Kraft für die Sterbebegleitung aus vielen verschiedenen Quellen geschöpft werden kann, vermittelt der Ausbildungsteil “Was uns gut tut”.

An einigen Ausbildungsseminaren nehmen auch erfahrene Helfer/innen immer wieder teil, um Referenten zu speziellen Themen zu hören, mit Fachleuten zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen. Daneben gibt es für die Ehrenamtlichen später weitere Unterstützung wie Supervision oder erfahrene Sterbebegleiter sind Ansprechpartner für eine “Kollegin”, die in eine für sie persönlich schwierige Situation geraten könnte oder einfach einen Rat braucht. An eine solche Grenze kommt irgendwann jeder trotz aller Erfahrung einmal.

Wer aber braucht und will überhaupt die Hilfe einer ehrenamtlichen Sterbebegleiterin in den eigenen vier Wänden? “Natürlich gibt es viele Familien, die gut allein zurechtkommen”, sagt Gudrun Ott-Meinhold. Aber nicht alle haben die Kraft, einem Schwerstkranken oder Sterbenden die Sicherheit des Nicht-Verlassen-Seins zu geben, ihm einen Abschied in Würde zu ermöglichen. Das “Chaos”, das gefühlsmäßig der bevorstehende endgültige Abschied, aber auch einfach der Alltag auslösen kann, lasse sich mit Unterstützung oft leichter ordnen, weiß Gudrun Ott-Meinhold. In einer solchen Ausnahmesituation um Rat und Hilfe beim ambulanten Hospizdienst nachzufragen, muss sich deshalb niemand scheuen.

Auch die Vorbereitung auf das Sterben und Beratung zu einer individuellen Patientenverfügung gehört zum Angebot von V.I.S.I.T.E. wobei das “V” für Vorsorge im Namen steht. Als bundesweit einziger Hospizdienst wendet er seit einigen Monaten auch online ein Modell an, welches den Textbausteinen für eine aussagekräftige Patientenverfügung des Bundesjustizministeriums entspricht. Daran haben neben Juristen vor allem Vertreter der Palliativmedizin und der Hospizbewegung mitgewirkt, eine gute Grundlage also für gemeinsame Standards zu mehr Entscheidungsqualität am Lebensende.

Siehe: www.visite-hospiz.de

Unterlagen für eine Standard-Patientenverfügung werden gegen 2 Briefmarken á 1,44 auch gern per Post geschickt. Kontakt zum ambulanten Hospizdienst V.I.S.I.T.E.: Telefon 030 613904-32

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