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Humanisten: Auch gezielte Sterbehilfe ist keine Tötung durch fremde Hand

10. November 2008

In einem im November 2002 verabschiedeten Positionspapier fordert der Humanistische Verband, Landesverband Berlin, ein umfassendes Sterbehilfegesetz. Darin soll geregelt werden, was und in welchem Ausmaß getan bzw. unterlassen werden darf, kann oder muss.
In Extremfällen, wenn für den Betroffenen trotz Palliativ-Care und hospizlicher Begleitung das Weiterleben ein größeres Übel darstellt als der Tod und wenn ein solches subjektives Wertungsergebnis objektiv nachvollziehbar ist, sind die folgenden Möglichkeiten der Sterbehilfe im Notfall auszuschöpfen:

Großzügige Gabe von Mitteln, die unerträgliche Beschwerden und leidvolle Empfindungen ausschalten, bis hin zur vollständigen Betäubung und Narkotisierung (so genannte terminale Sedierung oder indirekte aktive Sterbehilfe).

Schnelles, friedliches Sterben-Lassen unter ärztlicher Kontrolle, wobei sämtliche leidensverlängernde und lebensbewahrende Maßnahmen, auch die künstliche Sondenernährung, konsequent zu unterlassen bzw. abzustellen sind.

Ärztlich assistierte Selbsttötungs-Hilfe und Sterbebegleitung, wobei die so genannte Tatherrschaft, den direkten Tod herbeizuführen, beim Sterbewilligen selbst liegt.

Diese Punkte sind nicht mit Tötung durch fremde Hand gleichzusetzen, sie müssen jedoch vom immer noch bestehenden Tabu des vermeintlich Gesetzeswidrigen, Amoralischen und Unzulässigen befreit werden. Dabei ist der bestehende § 216 StGB, der die Tötung auf Verlangen unter Strafe stellt, damit gar nicht berührt. Der Humanistische Verband appelliert an Einzelpersönlichkeiten, Institutionen und Organisationen, die sich an Selbstbestimmung und Patientenrechten ebenso orientieren wie an Solidarität und Verantwortung, gemeinsam eine breite gesellschaftliche Debatte zur humanen Regelung der Sterbehilfe zu führen.

Das vollständige Positionspapier “Zu Patientenschutz und Sterbehilfe” ist unter der Adresse zu finden www.hvd-berlin.de und auf dieser Homepage unter “Sterbehilfe”

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