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Hungern-Müssen im Heim?

10. November 2008

Folgende Antwort haben wir auf den Beitrag ‚Vorsicht bei Pauschalurteilen‘ unseres Newsletter vom 10.05.2002 (siehe unten noch einmal wiedergegeben) erhalten von Frau Christiane Lüst vom ‚Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger Menschen in Deutschland‘:

Hallo, Frau Neumann!
Herzlichen Dank für die Information. Natürlich haben wir sowohl Frau Leutheusser-Schnarrenberger, Frau Nickels vom Menschenrechtsausschuss und auch dem Ministerium diese Stellungnahme entsprechend widerlegt und folgende Informationen beigelegt. Von allen Seiten wurde auch eingelenkt. Könnten Sie die Antwort auch an die Patientenverfügung weiter mailen? Frau Leutheusser-Schnarrenberger steht in gutem und regelmäßigem Kontakt zu uns.

Es gibt mittlerweile neuere Zahlen und Berichte vom Dt. Institut f. Diätetik, die die Tatsache der Unterernährung nicht nur belegen, sondern sogar noch vertiefen: Jetzt wird sogar davon gesprochen, das generell mindestens 83 % aller Bewohner stationärer Einrichtungen mindestens einen, meist aber ‚mehrere mangelhafte Ernährungsparameter‘ aufweisen (Care Konkret 08.03.2002). Ursachen sind neben schlechter Billigkost in Pflegeheimen in der Regel, dass das Personal keine Zeit zum Füttern hat (Betreute bekommt kein Essen), das Essen zu schlecht ist (keine Vitamine, zuwenig Proteine, usw. was u. a. zu Dekubitus führt), oder die Bewohner z. B. aufgrund mangelnder Zähne (und fehlender Prothesen aufgrund Zeitmangels nicht eingelegt, aufgrund fehlender herbeigeholter zahnärztlicher Behandlung nie erstellt), aufgrund von Schwerstpflegebedürftigkeit usw. kein Essen mehr zu sich nehmen können. alles organisatorische Mängel, die in keinem Pflegeheim vorkommen dürfen! Wenn Bewohner nicht mehr selber essen können, müssen sie gefüttert werden (dafür zahle ich ja im Pflegeheim dass mir geholfen wird, wenn ich krankheitsbedingt die täglichen Sachen nicht mehr selbst erledigen kann). Wenn dieses nicht mehr möglich ist, eine ausreichend versorgende Magensonde gelegt bekommen. Folgende Zitate kann ich Ihnen noch anfügen:

– ‚Tod durch Verhungern in Deutschland keine Seltenheit‘ (Sven Müller vom Institut für Diätetik) in: Pflegepraxis Ausgabe 8 ‚Patienten leiden unter Durst und Hunger‘ ‚Mangelernährung findet man in Entwicklungsländern und in deutschen Pflegeheimen‘ Zitate MDK Rheinland-Pfalz – 7080 % aller Pflegeheime schlecht bis gravierende Mängel größte Mängel: Unterernährung und Wundliegen MDS im Focus vom 09.02.2002 ‚Bis zu 85 % der Bewohner sind unterernährt Die Ernährung völlig unzureichend‘. Sven Müller, Verein zur Förderung der gesunden Ernährung und Diätetik: ‚In Deutschland verhungern viele Senioren in Alten- und Pflegeeinrichtungen, weil auf die Ernährung, das Essen und Trinken, einfach zu wenig geachtet wird. Die Ernährung, das Essen und Trinken, steht nicht im Mittelpunkt der Pflege. Das heißt, oftmals wird ein Tablett einfach in das Zimmer hineingetragen und nach einer Stunde unberührt wieder heraus getragen.‘ (‚Frontal 21 v. 23.04.2002 ‚Tötung durch Unterlassen‘, nachzulesen im Internet unter www.verhungern-im-heim.de ZDF Pflegeheime)
– ‚Sollten sich Alten- und Pflegeheime weigern, ausreichend Eiweiß, Vitamine und Zink mit den Mahlzeiten zu reichen, können sich die Betroffenen zur Not mit einer Strafanzeige wegen Körperverletzung wehren‘ Mindestens 400.000 überwiegend ältere Menschen leiden aufgrund von Eiweißmangel an Druckgeschwüren. Hunderttausende Menschen müssen Jahr für Jahr unnötig leiden!‘ Sven-David Müller, Sprecher des Institutes für Ernährung, Care Konkret 27.10.2002 – ‚Die Lage in der Altenpflege ist noch schlimmer, als sie derzeit in den Medien öffentlich diskutiert wird.‘ Pressemitteilung ver.di München v. 28.03.2002 – ‚Sogar Herr Tack, Ministerialdirektor im Familienministerium, Referat Altenhilfe, sprach auf der ALTENPFLEGE 2002 erstmals offiziell aus Sicht eines Ministeriums von erheblichen Mängeln in der Pflegequalität in Deutschland‘ und forderte auf ‚die Einzelfalldiskussion bei Pflegemängeln zu beenden und sich nicht hinter Qualitäten zu verstecken‘. Vielmehr sollen alle Beteiligten konstruktiv an Verbesserungen arbeiten. (Vincentz.net Altenpflege 2002) Für Rückfragen stehen wir natürlich jederzeit zur Verfügung. Die meisten Artikel der o. g. Auszüge finden Sie im Internet unter www.verhungern-im-heim.de.

Viele Grüße,
Ihre Christiane Lüst
Forum zur Verbesserung der Situation pflegebedürftiger Menschen in Deutschland

Ursprünglicher Newsletter vom 10.05.2002:

Stellungnahme des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe

Wie das Ausschussmitglied Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) berichtet, hat der Ausschuss Vorwürfe geprüft, dass 85 Prozent aller in Alten- und Pflegeheimen wohnenden Personen unterernährt seien. Nach eingehender Prüfung hätten sich diese Zahlen als ’so nicht der Wahrheit entsprechend herausgestellt‘. Die Behauptung sei ursprünglich auf das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätik e. V. zurückzuführen. Nach Auskunft des Institutes sagten diese Zahlen aber nichts über Ursachen von Mangel- und Fehlernährung älterer Menschen aus, deren Hauptgrund darin bestünde, dass krankheitsbedingt wenig Nährstoffe und Vitamine aufgenommen würden. Hierfür seien nur in wenigen Fällen Fehler des Pflegepersonals verantwortlich zu machen.

Weitere Fragen oder Meinungen dazu können gerichtet werden an: E-Mail: sabine.leutheusser-schnarrenberger@bundestag.de Tel. 030 227-75162.

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