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Karlsruhe: Mehrheit für aktive Sterbehilfe

10. November 2008

Karlsruhe, 23.05. Für eine vorsichtige Liberalisierung der Sterbehilfe hat sich beim gestrigen “Karlsruher Verfassungsgespräch” der Freiburger Rechtsprofessor Albin Eser für eine vorsichtige Liberalisierung der Sterbehilfe ausgesprochen. (Die Veranstaltung soll am 1. Juni in Phoenix übertragen werden). Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Hans-Jürgen Papier verwies darauf, dass in Deutschland im Gegensatz zu den Niederlanden die Lage eher durch richterliche Entscheidungen als durch klare Gesetzesbestimmungen gekennzeichnet sei. In der deutschen Bevölkerung gibt es laut Papier eine breite Mehrheit für die aktive Sterbehilfe.

Auch die Professoren Urban Wiesing (Tübingen) und Dieter Birnbacher (Düsseldorf) halten die gegenwärtige Situation für unbefriedigend, da der Staat bei der bestehenden Unmöglichkeit, sich zu einigen, keine verschiedenen moralischen Positionen zulasse (Wiesing) und Menschen beim Wunsch zum Suizid in die Einsamkeit verstoße (Birnbacher). Die aktive Sterbehilfe sollte deshalb nicht kategorisch abgelehnt werden. Klaus Kutzer, ehemaliger Senatsvorsitzender beim Bundesgerichtshof, übte vor allem Kritik an dem im April veröffentlichten BGH-Urteil. Nach Kutzers Worten ist die Entscheidung vor allem für die große Zahl von Wachkoma-Patienten von Bedeutung, für die in der Regel schon ein Betreuer bestellt sei. Alle Genannten waren sich einig, dass die Freigabe der Sterbehilfe nach dem Vorbild der Niederlande aber nicht erstrebenswert sei, sondern Deutschland ein eigenes Modell brauche.

Eindeutig Stellung gegen jede Form der aktiven Sterbehilfe bezogen die Bischöfin Maria Jepsen (Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche) und der katholische Moraltheologe Eberhard Schockenhoff (Nationaler Ethikrat). Sie denke, wir haben nicht das Recht, einem Menschen den Odem Gottes zu nehmen, sagte die Bischöfin. Das Aushalten von Leid könne in der Hospizbewegung und Sterbebegleitung gelernt werden. Eindeutig bezog auch Schockenhoff Stellung gegen die aktive Sterbehilfe. Sterben sei ein Teil des Lebens und könne auch grausam sein. Das gehöre zur menschlichen Erfahrung.

Zeitgleich kam vom Ärztetag ein deutliches Signal: die deutschen Ärzte würden sich nicht zu Handlangern einer fragwürdigen Politik aktiver Sterbehilfe wie in den Niederlanden oder in Belgien machen, sondern fordern den flächendeckenden Ausbau der palliativmedizinischen Versorgung. Die Leiterin der Zentralstelle für Patientenverfügungen, Hospiz und Humanes Sterben (Träger: Humanistischer Verband) begrüßt diesen Vorstoß. Allerdings sollte sich die Palliativmedizin zu ihrer Existenzberechtigung nicht länger als “die Alternative zur Sterbehilfe” empfehlen zumal die Sterbehilfe auch in Deutschland immer mehr akzeptiert würde. Der Wert und Selbstzweck der Palliativmedizin liege viel mehr darin, dass jeder Mensch einmal menschlich und umfassend versorgt sterben möchte -und vielleicht auch Sterbehilfe in Anspruch nehmen möchte.

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