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Konservative Lebensschützer in den USA haben sich völlig verrannt

10. November 2008

Quelle: Newsletter patientenverfuegung.de vom 24.03.:

„Als Team des Patientenverfügung-Newsletter möchten wir an dieser Stelle unsere Betroffenheit und Erschütterung bekunden: Wie mit dem Schicksal von Terri Schiavo auf Kosten eines schwerstbehinderten Menschen so berechnend Politik und Kulturkampf getrieben wird, ist bedrückend. Man möchte im Konflikt zwischen Recht und (aus unserer Sicht falsch verstandenen) moralischen Prinzipien auch den konservativen „Lebensschützern um jeden Preis“ nicht absprechen, dass sie sich ihrem Gewissen verantwortlich fühlen. Außerdem gebührt einer „Kultur des Lebens“ sicher unsere Sympathie. Doch, wie die Mitteldeutsche Zeitung schreibt, stellen beim Thema Todesstrafe „genau diejenigen, die jetzt das Leben als unantastbar darstellen, ihre Vergeltungslogik über den eigenen Humanitätsanspruch. Und auch die Tatsache, dass 45 Millionen Amerikaner keine Krankenversicherung haben und dem Risiko von Krankheit und Tod ungeschützt ausgesetzt sind, lässt die politische Rhetorik der Republikaner hohl und verlogen erscheinen.“ Das muss auch den „Moralaposteln“ in der Deutschen Debatte zu denken geben.

Und jetzt auch noch diese aktuelle Meldung von heute Nacht, die zeigt, welches Ausmaß an Hysterie der Fall Terri Schiavo angenommen hat:

„Washington/Atlanta. Die Behörden in Florida wollen die Komapatientin Terri Schiavo möglicherweise durch Schutzhaft vor dem Tod bewahren. Ein bekannter Neurologe sei zu dem Schluss gekommen, dass ihr Zustand unter Umständen falsch diagnostiziert worden sei, sagte der Gouverneur von Florida, Jeb Bush. Es werde an Anträgen gearbeitet, um den Wiederanschluss der Ernährungsschläuche durchzusetzen. Gleichzeitig lehnte es das Bundesberufungsgericht in Atlanta ab, sich erneut mit dem Fall zu befassen.“

„Washington/Atlanta. Im Fall der Komapatientin Terri Schiavo hat der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, einen neuen Vorstoß unternommen. Der Bruder von Präsident George W. Bush und die Leiterin der staatlichen Sozialagentur erklärten gestern, sie hätten beim Gericht in Pinellas einen Antrag auf Übernahme des Sorgerechts für Schiavo gestellt. Darin wird die Diagnose angezweifelt, nach der sich die Patientin in einem dauerhaften vegetativen Zustand befinde. Die Behörden prüften auch, ob sie unter dem Verdacht eingreifen können, dass Schiavo misshandelt worden ist, sagte eine Mitarbeiterin von Bush. Es stünde der Behörde, die sich um das Wohl Behinderter kümmere, offen, Schiavo in Schutzhaft zu nehmen.“

Dies zeigt, wie die Konservativen im Bemühen, Recht und Gesetz zugunsten eines familiären Sonderfalles auszuhebeln, sich völlig verrannt haben. Wir können an dieser Stell nur versuchen, dem sachgerechte medizin-wissenschaftliche Ausführungen entgegensetzen. Siehe das Interview mit Prof. Einhäupl, Neurologe an der Berliner Charité: Wunderheilungen gibt es nicht

Für Deutschland gilt: Bei uns ist die Debatte um Sterbe- und Freitodhilfe neu entfacht siehe aktueller STERN zur Freitodhilfe als Weg zum selbstbestimmten Sterben und: Spiegel

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