Inhalte

Palliativkongress 06.-07.04.: Entdeckung der “Alters-Palliativmedizin”

10. November 2008

Zur Zeit werden auf den Palliativstationen fast ausschließlich Tumorpatienten behandelt, berichtete Kongresspräsident Prof. Lukas Radbruch anlässlich des ersten weltweiten Kongresses zur Palliativmedizin, der am Sonntag in Aachen endete. “Viele Patienten mit anderen schweren Krankheitsbildern brauchen diese Versorgung genauso, sie erhalten sie im Moment aber nicht.”

Eine besondere Herausforderung für die Palliativmedizin sei die Einbeziehung von Patienten mit degenerativen Erkrankungen, ergänzte Klaschik. In den Niederlanden beispielsweise gebe es eine stark ausgeprägte Alters-Palliativmedizin. “Wir haben hier enormen Nachholbedarf”, sagte er.

“Der Kongress hat die Notwendigkeit einer verbesserten Zusammenarbeit von häuslicher Pflege, Kliniken, Hausärzten und Sozialarbeitern deutlich gemacht”, resümiert Dr. Friedemann Nauck, Vize-Präsident des Kongresses, das Ergebnis der Fachtagung mit über 2.500 Teilnehmern. Angesichts der alternden Bevölkerung sieht sich die heutige Gesellschaft einer großen Herausforderung gegenüber, denn die palliative Pflege ist personal- und kostenintensiv. “Das Problem, das gerade angesichts der alternden Bevölkerung vor uns liegt, ist mit den wenigen Palliativmedizinern, die wir haben, nicht zu bewältigen”, sagte er.

90 Prozent der Patienten in der Palliativmedizin sind krebskrank und haben keine Chance auf Heilung. Sie haben Schmerzen, Atemnot, müssen sich übergeben. Sie haben Angst, sind depressiv, ständig müde.
Heilen kann die Palliativmedizin nicht, es ist auch nicht ihr Ziel. Aber sie lindert das Leiden und will das Leben trotz Krankheit lebenswert machen. »Im Fokus steht mehr Lebensqualität«, sagt Kongresspräsident Lukas Radbruch.

Palliativ-Patienten können und sollen entscheiden, ob sie auf eine Behandlung verzichten wollen. Zehn Prozent der Palliativpatienten haben für den Fall, dass sie selbst nicht mehr über medizinische Maßnahmen entscheiden können, eine Patientenverfügung erstellt. »Es werden fast nie die Situationen beschrieben, die wir für eine Entscheidung brauchen«, bedauert Radbruch. Die benutzten Patientenverfügungsvordrucke sind zu pauschal. Dann würde eine Vorsorgevollmacht umso wichtiger.


Am 6. und 7. April fand in Aachen der 5.Kongress der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) statt. Im direkten Anschluss daran (8. bis 10. April) versammelten sich an gleicher Stelle die Delegierten des 9. Kongresses der European Association for Palliative Care (EAPC).

Mit Material aus: www.dgpalliativmedizin.de, www.pain-initiative.com und www.pain-workshop.com, www.presseportal.de vom 12.04.2005 und Grenz-Echo vom 07.04.:

print