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Schweizer Freitodorganisation DIGNITAS kommt nach Deutschland

10. November 2008

Gründung von DIGNITAS-Deutschland

Am Montag, 26. September 2005 wird in Hannover der Verein DIGNITAS-Deutschland gegründet, eine Tochtervereinigung der schweizerischen Sterbehilfe-Organisation DIGNITAS Menschenwürdig leben Menschenwürdig sterben. Dies erklärte am Mittwoch der Generalsekretär Ludwig A. Minelli.

DIGNITAS-Schweiz mit Sitz in Forch-Zürich wurde als Sterbehilfe-Organisation am 17. Mai 1998 in Zürich gegründet. Die Organisation hat seit Gründung bis zum 15. September 2005 nach eigenen Angaben insgesamt 453 Freitodbegleitungen durchgeführt, von denen 253 auf Personen mit Wohnsitz in Deutschland entfallen sind.

Ziel des Vereins DIGNITAS-Deutschland sei nunmehr “die Unterstützung von Sterbenden und Sterbewilligen bei Durchsetzung ihrer durch das Grundgesetz, durch die einschlägigen Gesetze sowie durch die höchstrichterliche Rechtsprechung gewährleisteten Rechte, insbesondere des Rechts auf Selbstbestimmung.”

Diese Unterstützung soll, wie es in der Erklärung weiter heißt, zum einen darin bestehen, “die derzeitig in Deutschland schon bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zu nutzen, die seitens der Gesetze und der höchstrichterlichen Rechtsprechung ohnehin vorgegeben sind. Zum anderen soll auf eine Rechtsfortbildung hingewirkt werden, die im Ergebnis der liberalen Handhabung der Sterbehilfe in der Schweiz entspricht.”

Letztendlich möchte DIGNITAS-Deutschland erreichen, “dass niemand mehr seinen Wohnort in Deutschland verlassen muss, um sein Leben mittels eines Freitodes in Würde (und auf Wunsch in Anwesenheit von Angehörigen) beenden zu können.”

Bekanntlich besteht auch in Deutschland Straffreiheit bei Freitodhilfe durch Laien bzw. bei ärztlich assistiertem Suizid eines freiwillensfähigen Patienten. Eine Freitodgesellschaft, welche diese bestehenden Möglichkeiten offiziell zu nutzen gedenkt, gab es bisher in Deutschland jedoch nicht. Vor allem dürfte ihre Existenz erhebliche Auswirkungen haben auf die Debatten zu Nachbarthemen wie Verlässlichkeit von Patientenverfügungen, passive und aktive indirekte Sterbehilfe, palliativmedizinische Versorgung usw.

Hier noch einmal das Stern-Streitgespräch “Wann darf man sterben?” zwischen Ludwig Minelli (DIGNITAS Gründer und Generalsekretär) und Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. (Präsident der deutschen Bundesärztekammer): Streitgespräch im Stern

Wir werden Anfang der Woche aus erster Hand von der Gründungsversammlung und anschließenden Pressekonferenz (PK um 14:30 Uhr im Hotel Plaza Nähe Hauptbahnhof Hannover) berichten.

Die ersten Reaktionen von landeskirchlicher und palliativmedizinischer Seite aus Hannover (dem Sitz der ersten deutschen Zweigstelle von DIGNITAS-Deutschland) sind zunächst einhellig negativ. Die Kritiker vertreten vor allem die Auffassung, dass selbstbestimmtes Sterben allein durch den Ausbau der Palliativmedizin möglich sein soll. Siehe: epd.de

Die KATHOLISCHEN NACHRICHTEN (kreuz.de vom 23.09.) beklagen eine “Filiale des Todes”. Sie berichten: “”Ein Schweizer Verein für die Hilflosentötung will am Montag in Hannover seine erste Zweigstelle außerhalb der Schweiz gründen. Hannover liegt im Bundesland Niedersachsen in Norddeutschland. Der Verein für den assistierten Selbstmord versteckt sich hinter dem verschleierndem lateinischen Namen ‘Dignitas’ zu Deutsch: “Würde”.

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