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Sterbehilfefilm Mar Adentro kommt in deutsche Kinos Kritik von Hospiz Stiftung

10. November 2008

Zum Auftakt der Filmpreis-Saison haben US-Kritiker den Sterbehilfefilm „Mar Adentro“ des Spaniers Alejandro Amenábar zum besten nicht-englischsprachigen Beitrag des Jahres gekürt. (dpa vom 02.12.)

Der bereits zur Uraufführung in Venedig ausgezeichnete Spielfilm ist ein humor- und kraftvolles Plädoyer für den Weg eines selbstgewählten Todes. Mar Adentro heißt übersetzt etwa „weit im Meer“ ein Film, so die ARTE-Filmkritik, „der einen begreifen lässt, was es bedeutet, das Meer und den Schmerz und das Glück tief in sich drinnen zu tragen und das das Recht, den Zeitpunkt des Todes selbst zu bestimmen, die größte Freiheit und zugleich Verantwortung bedeutet, die uns Menschen gegeben ist.“ Im März kommt er auch in deutsche Kinos.

Zum Inhalt:

Seit er vor 26 Jahren beim Baden verunglückte, liegt der einstige Seemann Ramón (Beeindruckend: Javier Bardem) vom Kopf ab gelähmt im Bett, wo er von den galizischen Mitgliedern seiner Familie liebevoll gepflegt wird. Nun möchte er seinem Leben ein selbst bestimmtes, würdevolles Ende setzen. Da dies jedoch in Spanien verboten ist, ist er bereit, ein kompliziertes juristisches Verfahren auf sich zu nehmen und wird dabei im Namen einer Sterbehilfeorganisation von der Anwältin Julia (Belén Rueda) juristisch vertreten (Der Film beruht auf einer wahren Geschichte).

Nun ist es nicht etwa so, dass Ramón seine abgeknickten, verkrampften Hände erinnern an die eines verkrüppelten Fötus in der langen Zeit der Querschnittlähmung ein nur noch hilfloser, betrübter Misantroph geworden wäre. Ganz im Gegenteil! Der einstige, früh weit gereiste Matrose hat sich angesichts seines Vorhabens, aus dem Leben zu scheiden, einen Humor, eine Lebensenergie und eine Lust zum Flirten bewahrt, welche bei seinem Umfeld abwechselnd zu Lachanfälle, Schamröte oder auch Wutausbrüchen führt.

Mag sein Protagonist auch gelähmt sein, Regisseur Amenábar lässt ihn ein ums andere Mal der Unmöglichkeit, in der Realität eine nur zwei Meter von ihm entfernte Hand zu berühren, entfliehen. Als Kunstgriff (ähnlich wie im Sterbehilfe- und Antikriegsfilm: Jonny zieht in den Krieg): Der Traum. Vielleicht der schönste Moment des Films ist der, wo man mit Ramón auf einmal dessen Hand sich bewegen sieht, den Körper sich strecken, aufstehen und hinunter zum Meer laufen, wo er die Frau, die er begehrt, in seine Arme schließt und küsst.

Mehr und Fotos zum Film unter: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,2189361,00.html

Doch nicht allen sagt der Film zu. Der Protagonist ist ein suizidwilliger Schwerstpflegebedürftiger, dem beim besten Willen mit hospizlicher Sterbebegleitung und Palliativmedizin anders als unzähligen Krebs- oder Schmerzpatienten am Lebensende nicht zu helfen ist.

So kritisiert die Deutsche Hospiz Stiftung (DHS) den Film „Mar adentro“ in der folgenden Presseerklärung (bereits vom 9. September 2004) als unrealistische Propaganda pro Euthanasie:

“ In dem Film geht es um einen lebenslustigen vom Kopf ab querschnittsgelähmten Menschen. Er verlangt nach einem Giftbecher, den er zum Schluss auch trinkt und daran qualvoll stirbt. Der Film ist dramatisch, ist mitreißend, ist anrührend so steht es in den Rezensionen. Doch die filmische Darstellung des Sterbens geht an der Realität vorbei. „Wer so gut versorgt wird, wie der Seemann Ramón in dem Film, will nicht sterben. Euthanasie fordern Menschen ein, die keine professionelle umfassende Begleitung bekommen“, sagt Eugen Brysch, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung. Das bestätigen zahlreiche Studien. Sterben wollen Schwerstkranke, wenn sie das Gefühl haben, anderen zur Last zu fallen. Das hat dann nichts mehr mit Selbstbestimmung zu tun, sondern ist Fremdbestimmung. „Wer professionelle, ganzheitliche Begleitung und Schmerztherapie erhält, will nicht euthanasiert werden“, sagte Eugen Brysch. Palliative-Care dämmt den Willen nach aktiver Sterbehilfe ein.


Quelle: Frankfurter Rundschau vom 12.01.2005: „Geständnis im verfilmten Fall von Sterbehilfe

MADRID (dpa). Sieben Jahre nach einem Aufsehen erregenden Fall von Sterbehilfe in Spanien, der auch verfilmt wurde, hat eine 44-jährige Frau ein Geständnis abgelegt. Ramona Maneiro erklärte, sie habe dem gelähmten Ramón Sampedro bei dessen Tod Sterbehilfe geleistet.

Der Fall Sampedros bildet die Grundlage für den Erfolgsfilm „Mar Adentro“ des spanischen Regisseurs Alejandro Amenábar. Der in mehreren Ländern ausgezeichnete Streifen kommt im März in Deutschland in die Kinos.

Maneiro gestand nach Berichten vom Dienstag im Fernsehen, Sampedro ein Glas mit einer tödlichen Zyankali-Lösung bereitgestellt zu haben. „Ich habe alles genau so getan, wie er es mir aufgetragen hatte“, berichtete Maneiro, die zu den engsten Vertrauten Sampedros gehört hatte. Sampedro war seit einem Badeunfall vom Hals abwärts gelähmt. Er kämpfte jahrelang erfolglos um das Recht, sein Leben zu beenden. Strafverfolgung ht die 44-jährige nicht zu befürchten. Der Sterbehilfe-Vorwurf verjährte im November. „Einen weiteren aktuellen Kommentar unter: „Die Hand, die Gift reicht“ in FAZ vom 12.01.2005: FAZ

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