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Sterben ohne Schmerzen rächt sich die Verteufelung der Sterbehilfe?

10. November 2008

1) Ärztin weist Sterbehilfe-Vorwürfe zurück

Hannover (dpa) Eine Ärztin aus Langenhagen bei Hannover hat den Vorwurf der 76fachen Sterbehilfe zurückgewiesen. Sie habe niemanden, der noch leben könnte, getötet, sagte die Internistin der ‘Neuen Presse’ in Hannover (Montag).’ Ich habe Sterbebegleitung praktiziert.’ Dazu hätten Gespräche mit Patienten und Angehörigen gehört. Todkranke Patienten hätten höhere Dosen Morphium erhalten dies sei aber nichts Ungewöhnliches. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 53-Jährige wegen Sterbehilfe-Verdachts in 76 Fällen. Die Medizinerin sagte, ihr Ziel sei es immer gewesen, Patienten in Würde sterben zu lassen ‘ohne Schmerzen, ohne Angst und Qual’.

2) Kommentar von Dr. Dietrich Jungck, Schmerztherapeut und Präsident des Verbandes Deutscher Ärzte für Algesiologie (gekürzt aus aerztezeitung.de vom 06.10.):
Wieder Verteufelung der Opiate
Kaum scheint es mit der Versorgung von Schmerzpatienten mit Opiaten in Deutschland etwas bergauf zu gehen, erhalten wieder alte Vorurteile über die angebliche Gefährlichkeit der Opiate Nahrung.
Denn in den Berichten zu dem Verdacht der Sterbehilfe mit Morphin in der Paracelsus-Klinik in Hannover war mehrfach von einer lebensverkürzenden Wirkung von Morphium zu lesen. So sagte der Justiziar der Ärztekammer Niedersachsen: In der Palliativmedizin werde in Kauf genommen, dass bestimmte Schmerzmittel das Leben verkürzen können. Und ausgerechnet ein Sprecher der Deutschen Hospiz-Stiftung wird zitiert, dass ‘Morphin Schmerzen vermeide, aber das Leben verkürze. Das ist passive Sterbehilfe.’ Solche Aussagen sind ein Skandal! Sie diskreditieren nicht nur den Nutzen von Opiaten bei der Schmerzlinderung, sondern sie sind hier auch schlichtweg falsch. Jeder Schmerztherapeut weiß aus eigener Erfahrung, dass eine effektive Schmerzlinderung Patienten selbst in der Endphase des Lebens noch hilft, Kräfte zu generieren Dass gerade die AOK Niedersachsen den Anstoß für die Untersuchungen in der Paracelsus-Klinik gegeben hat, ist für mich zudem ein Indiz dafür, dass die Vorbehalte gegen Morphin offenbar hauptsächlich finanzielle Gründe haben könnten.
Denn ausgerechnet diese AOK lehnt die Kostenübernahme von qualifizierter Schmerztherapie als eine der wenigen Kassen in Deutschland ab. Sie hat sich den Schmerztherapievereinbarungen nicht angeschlossen und verweigert viele wichtige schmerztherapeutische Maßnahmen. Vielleicht sollte man deshalb einmal nachfragen, ob die Kollegin nur aufgefallen ist, weil Schmerzlinderung teurer kommt als ihre Unterlassung

3) Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat sich strikt gegen eine Legalisierung aktiver Sterbehilfe nach dem Vorbild der Niederlande ausgesprochen.’ Die aktive Sterbehilfe ist nach deutschem Recht strafbar und daran soll sich auch nichts ändern’, schrieb Zypries in einem Gastbeitrag der ‘Bild am Sonntag’. Stattdessen sollte sich die Diskussion auf ‘Sterbebegleitung und effektive Schmerztherapie’ konzentrieren. Die Politik müsse daher die Gründung von Sterbehospizen fördern, forderte die Ministerin.
Gleichzeitig kündigte Zypries an, eine Rechtsgrundlage für Patientenverfügungen zu schaffen, so dass jeder für sich lebensverlängernde Maßnahmen ausschließen könne.’ Jeder sollte deshalb selbst darüber entscheiden, ob für ihn im Notfall lebensverlängernde Maßnahmen eingeleitet werden sollen oder nicht’, schrieb die Ministerin. Sie habe eine Experten-Kommission beauftragt, die Rechtssicherheit solcher Fälle zu prüfen.
Siehe www.patientenverfuegung.de/Patientenverfügung/aktuell.htm, Meldung vom 8. Sep. 03

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