Inhalte

Sympathiebekundung und Applaus für Freitodorganisation DIGNITAS

10. November 2008

TAZ vom 29.11.2005: “Liberale empfangen ‘Dignitas´-Chef”:

“HANNOVER taz Die schwarz-gelbe Koalition in Niedersachsen streitet weiter über den Schweizer Sterbehilfeverein “Dignitas”. Seit die Organisation in Hannover einen deutschen Ableger gegründet hat, will die niedersächsische Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) mit einer Gesetzesänderung “den geschäftsmäßigen Betrieb von Suizidhilfe” unter Strafe stellen. Die FDP-Landtagsfraktion in Hannover lud dagegen gestern den Dignitas-Generalsekretär Ludwig Minelli höchstpersönlich zu einer Tagung zum Thema ein. Vor rund hundert FDP-Mitgliedern und Anhängern seiner Organisation warb der Dignitas-Chef für das Menschenrecht auf Suizid und den ärztlich unterstützten Freitod und erntete dafür ordentlichen Beifall. Dignitas trete keineswegs für aktive Sterbehilfe ein, versicherte Minelli. Sein Verein wolle vielmehr, “dass an deren Stelle die Forderung nach Ermöglichung eines menschenwürdigen, begleiteten Suizids” trete.

Ausführlich stellte Minelli den Zuhörern den “Assistierten Suizid nach Schweizer Art” vor: Ein Dignitas-Mitglied, das sich “für die Durchführung der Freitod-Begleitung” entscheide, werde von einer erfahrenen Person, die zum “Freitod-Begleiter-Team” gehöre, in technischen Fragen betreut. Den letzten Akt, der bislang in einer Wohnung in Zürich stattfindet, müsse das Mitglied aber selbst vollziehen. Es müsse entweder ein den Tod herbeiführendes Medikament selbst trinken, es sich durch eine Magensonde in den Magen oder durch eine Infusion in den Blutkreislauf leiten.

Der in Hannover anwesende rheinland-pfälzische FDP-Justizminister Herbert Mertin bekundete anschließend, er habe “Sympathie für das, was Herr Minelli macht”. Es sei verfehlt, die Praxis von Dignitas mit verbotener aktiver Sterbehilfe gleichzusetzen, so Mertin. Solange der Betroffene selbst den Tötungsvorgang einleite, handele es sich um ärztlich assistierten Suizid. Für die beteiligten Mediziner gebe es aber standesrechtliche und auch arzneimittelrechtliche Probleme, da bestimmte Mittel nicht für die Behandlung von Menschen, sondern nur zum Einschläfern von Tieren zugelassen seien. Auch strafrechtlich sei die Situation unklar. Man müsse daher “rechtlich Klarheit schaffen”. Auf einen Weg dahin wollte sich Mertin aber nicht festlegen.

Der Hamburger Jurist Professor Reinhard Merkel betonte, dass die Teilnahme an einem frei verantworteten Suizid straflos und auch sonst unverboten sei. Ein polizeirechtliches Verbot von Dignitas “wäre mit großer Wahrscheinlichkeit verfassungswidrig”, urteilte er. Selbst der Chef der niedersächsischen FDP-Landtagsfraktion, Philipp Rösler, wollte nicht ausschließen, dass in bestimmten Situationen die assistierte Selbsttötung der richtige Weg sei: Schließlich gebe es Fälle, in denen Schmerztherapie an ihre Grenzen stoße.”

Quelle: TAZ vom 29.11.2005

Nachtrag vom 31.1.2010: Der Link zum TAZ-Artikel vom 29.11.2005 ist nach 5 Jahren nicht mehr verfügbar.

(Die letzten beiden Absätze fast gleichlautend in Frankfurter Rundschau vom 29.11.2005)

 


 

DIE WELT: “Jurist hält Dignitas -Verbot für verfassungswidrig”:

“Hannover Ein polizeiliches Verbot der Sterbehilfe-Organisation “Dignitas” in Deutschland wäre aus Sicht des Rechtswissenschaftlers Prof. Reinhard Merkel nicht sinnvoll und zudem verfassungswidrig. Das sagte der Hamburger Jura-Professor am Montag in Hannover bei einer Tagung der FDP zum Thema Sterbehilfe. Die Beihilfe zum Suizid durch Ärzte sei auch heute in Deutschland durchaus rechtlich zulässig

Der Gründer der umstrittenen Schweizer Sterbehilfe-Organisation “Dignitas”, Ludwig Minelli, hat der deutschen Politik beim Umgang mit Suiziden Versagen vorgeworfen. “Ist es nicht eigentlich pervers, dass die deutsche Politik es klag- und tatenlos hinnimmt, dass sich in diesem Lande jährlich gegen 11.000 Menschen das Leben nehmen”, sagte Minelli auf der Tagung. Diese Menschen würden anders als mit Hilfe von “Dignitas” meist einsam und qualvoll sterben.

“Dignitas”-Leiter Minelli sagte, nach Umfrage-Ergebnissen wünsche sich eine Mehrheit der Menschen eine Möglichkeit der Sterbehilfe. “Es ist in einer Demokratie unanständig und gleichzeitig unvernünftig, wenn Politiker über eine solche Stimmung einfach hinweggehen und damit die Mehrheit missachten.”

Ausführlich: http://www.welt.de/data/2005/11/29/810387.html

HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG vom 28.11.2000: “Ist Sterbehilfe Teufelswerk? “:

” Der deutschen Politik warf Minelli vor, das Massenphänomen des Freitodes klag- und tatenlos hinzunehmen: “Genau 10 733 Menschen haben sich im vergangenen Jahr selbst das Leben genommen.” Dies Thema werde aber aus “ideologischer Fixierung oder zum Schutz von religiösen oder medizinischen Dogmen” tabuisiert. Dabei sei es ein Menschenrecht, auch dem eigenen Leben ein Ende zu setzen eine Ansicht, der auf dem Podium nur der Loccumer Theologe Ralph Charbonnier widersprach. Das Selbstbestimmungsrecht bestehe für Christen nicht darin, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen.

Dogmatisch korrekte Aussagen dieser Art reichten den anderen Podiumsgästen allerdings nicht aus. Der Schmerz- und Narkosearzt Meinolfus Strätling von der Lübecker Uniklinik beklagte, dass auch die schmerzlindernde Palliativmedizin “weltanschaulich vereinnahmt” werde. “Entgegen allen Behauptungen gibt es keinen Beleg dafür, dass die Quote der Anfragen nach Sterbehilfe zurückgeht, wenn das Angebot von Palliativmedizin besser wird”, meinte der Mediziner. Im übrigen werde das Sterben oft verklärt: “Aus gutem Grund sprechen wir nie von Symptom- oder Schmerzfreiheit, sondern von Schmerzkontrolle”, sagte der Narkosearzt
Ausführlich: http://www.haz.de/politik/283142.html


Berliner Morgenpost vom 29.11. “Rückendeckung für Dignitas”: http://morgenpost.berlin1.de/content/2005/11/29/politik/795107.html

print