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Zwei schwerstbehinderte Kämpfe, die unsere Unterstützung verdient haben

10. November 2008

1.) Was ist aus Noel Martin geworden?

Im Frühjahr vorigen Jahres berichteten wir über das erschütternde Schicksal des Briten Noel Martin, der nach einer Attacke von ausländerfeindlichen Jugendlichen vor 10 Jahren an den Rollstuhl gefesselt ist. Die Täter sind längst wieder auf freiem Fuss, das Opfer hat nach eigenen Angaben „lebenslänglich“ bekommen.

Beeindruckend: Das öffentliche Engagement gegen Rechtsextremismus, die Initiativen zum Austausch zwischen britischen und brandenburgischen Schülern, welches Noel Martin auf den Weg brachte. Doch jetzt kann er nicht mehr. Sein Zustand hat sich nicht gebessert. Er ist vom Hals an abwärts gelähmt. Braucht Pflege rund um die Uhr. Wir hatten zu Spenden für ihn aufgerufen. Er sagt seit langem und mit unverminderter Festigkeit: Das sei kein Leben mehr. Erst recht nicht nach dem Krebstod seiner geliebten Frau im April 2000. „Es ist lediglich ein Existieren. Und jeder Tag ist ein Tag voller Leiden.“

Martin hatte seinen bereits 2006 geplanten Freitod mit Hilfe der Schweizer Organisation Dignitas um ein Jahr verschoben, nun auf seinen diesjährigen eburtstag. Er wollte vorher noch über das, was ihm in Deutschland widerfahren ist, ein Buch schreiben. Das liegt jetzt vor: „Nenn es: mein Leben“.

Brandenburgs Ministerpräsident stellt Autobiografie von Noel Martin vor

Dignitas-Gründer Ludwig A. Minelli ist über die Medienankündigung, wann Noel Martins Freitodbegleitung in Zürich stattfinden soll, nicht eben froh. „Termin und Vertrauensarzt“ stehen noch gar nicht fest, sagte er der Presse. Und Michael Baumberger, Klinik-Chefarzt an einem Paraplegiker-Zentrum, widerspricht dem Eindruck, dass Schwerstbehinderte etwas besonders suizidgefährdet seien. Baumberger plädiert für eine gesamtheitliche Sicht, die fragt, wie viel Aktivität und Teilhabe sich ein Mensch erhalten kann. Baumberger findet, es gehöre zur gesellschaftlichen und medizinischen Verantwortung, mit Betroffenen alle Faktoren ihres Umfelds abzuchecken. Die Hilfe, die Freitodorganisationen anbieten, hält er für leichtfertig und vorschnell. Der freiwillige Tod dürfe nur die allerletzte Option sein, müsse strengen ethischen, juristischen und ärztlichen Regeln genügen. Insbesondere der Zürcher Sterbehilfe-Organisation Dignitas wird „Sterben im Eilverfahren“ und „Sterbetourismus“ vorgeworfen. Minelli verwahrt sich dagegen: «Allein das Wissen, dass es einen Ausweg gibt, verschafft ein Freiheitsgefühl, mit dem man gern weiterlebt.»

Quelle: Darf man seinen Tod ankündigen?


2.) Hans Jürgen Leonhard Daheim statt Heim

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) Träger der Zentralstelle für Patientenverfügung mit dieser Internetseite www.patientenverfuegung.de unterstützt den Aufruf der Initiative „Daheim statt Heim“. In einer differenziert begründeten Erklärung des HVD vom 16.04.2007 heißt es: „Sein Inhalt entspricht ganz und gar der z. B. im HVD Berlin seit acht Jahren propagierten Losung: „ambulant vor stationär“. Der HVD kritisiert in diesem Zusammenhang besonders das Verwaltungshandeln „
 

Die bundesweiten Initiative Daheim statt Heim fordert u. a.: – einen Baustopp für neue Heime
– den flächendeckenden Aus- und Aufbau individuell- bedarfsdeckender vernetzter Unterstützungsangebote für ältere und behinderte Menschen
-die Garantie der Wahlmöglichkeiten der Betroffenen, u. a. durch persönliche Budgets
die Beteiligung der Betroffenen an dem Reformprozess nach der Devise „Nichts über uns ohne uns“
Siehe: daheim-statt-heim

In diesem Zusammenhang möchten wir auf einen Fall hinweisen, auf den uns der RA Oliver Tolmein aufmerksam gemacht hat. Er stellt auf seiner Internetseite www.nicht-im-heim-sterben.de die Situation von Hans Jürgen Leonhard vor. Dieser führt seit über einem Jahr einen fast verzweifelten Kampf dafür, seine letzten Lebensmonate in einer eigenen Wohnung mit ambulanter Pflege führen zu dürfen. Die Geschichte von Herrn Leonhard macht eine Selbstverständlichkeit deutlich, die manchmal in den Hintergrund zu treten droht: dass keinesfalls nur intensiv-medizinischen Überversorgung einem selbstbestimmten, menschenwürdigen Lebensende entgegenstehen kann und dass zur Selbstbestimmung die Wahlfreiheit gehört. Jürgen Leonard ist Sozialhilfeempfänger und kann ein benötigtes Gutachten (in Höhe von etwa 2.000 Euro) zur Vermeidung einer Heimeinweisung nicht selbst bezahlen. Wir rufen deshalb auch in diesem Fall zur Unterstützung und werden auch wieder unsererseits eine Spende (siehe Konto auf der o. g. Internetseite) überweisen.

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