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Ärzte miteinander im Gespräch zu Sterbehilfe und -begleitung gemäß Patientenwunsch

17. Dezember 2010
Am Donnerstagabend, 16.12.2010 saßen auf dem Podium in der Urania Berlin drei Ärzte. Eingeladen (und moderiert) vom Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) kamen sie miteinander ins Gespräch zu Positionen, die nicht von allen gleichermaßen geteilt, aber mit großem Respekt bedacht wurden.
 

 
Dr. Michael de Ridder, Buchautor (Wie wollen wir sterben?), Internist und Leiter der Rettungsstelle des Vivantes-Klinikums am Urban. Er plädiert für ein Modell aus Oregon (USA): Ausgezeichnete Versorgung durch Palliativmediziner, wobei diese auch mit Medikamenten zum Suizid helfen dürfen, was viele Schwerstkranke beruhigt, dann aber selten in Anspruch genommen wird.  
 

 

Aus dem Programmtext:  "Im Herst 2010 wurde die "Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen" veröffentlicht.

Die Präambel und der 1. Leitsatz dieser Charta betont

  • sich einzusetzen für mitmenschliche Fürsorge und würdige Bedingungen ohne medizintechnische Lebensverlängerung
  • Bestrebungen nicht nur nach Legalisierung der Tötung auf Verlangen, sondern auch dem assistierten Suizid entgegenzuwirken. … 

Aber ist damit dem verfassungsgemäßen Selbstbestimmungsrecht und auch den Bedürftnissen hochbetagter, multimorbider Patienten Genüge getan?"

Dr. Achim Rieger ist Allgemein- und Palliativmediziner in eigener Praxis und hat ein sehr herzliches Verhältnis zu seinen Patienten, die er zu Hause versorgt, sensibel dokumentiert im ZDF-Porträt hier. Er ist zudem ehrenamtlich Vorsitzender des Palliativzentrums Berlin-Brandenburg (PZBB).

Das PZBB als Netzwerk ist ehrenamtlich organisiert und auf Spenden angewiesen. Dr. Rieger und seine Kolleg/inn/en ermöglichen es Krebskranken, ihre letzte Zeit bis zum Tod zu Hause verbringen zu können. Rufbereitschaft rund um die Uhr (nicht dasselbe wie "Verfügbarkeit", sagt er) gehört dazu.

Hartmut Klähn hat vor gut einem Jahr seine Hausarztpraxis aufgegeben und ist nunmehr ehrenamtlich als ärztlicher Berater für den Humanistischen Verband tätig. 

Er plädiert für einen möglichen "dritten Weg" zum selbstbestimmten, aber natürlichen Tod durch Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit (1.v.r.). 

Als einzig strittiger Punkt erwies sich die Frage, ob mögliche Suizidhilfe das Vertrauen der Patienten zu ihren Ärzten fördert und was es mindert bzw. gar zerstört.

Einen Audio-Mitschnitt auf CD (MP3-Format) oder Tonkassette für je 13 € (incl. Porto) kann gestellt werden telefonisch unter Tel. 030 2189091 oder per E-Mail an kontakt@urania-berlin.de

Einfache Lösungen gibt es nicht, so das Fazit der Moderatorin Gita Neumann vom Humanistischen Verband. Am schwersten würde wohl das Argument wiegen, dass es heute für Ärzte viel aufwändiger, zeitraubender und teurer ist, die große Mehrzahl der Patienten auf ihren Wunsch hin adäquat zu betreuen, als ein tödliches Rezept zu verabreichen – selbst wenn damit ebenfalls ein Hausbesuch verbunden sein sollte.

Am besten sei deshalb die Palliativversorgung voranzubringen, allerdings ohne – wie es die CHARTA vorsieht – Bestrebungen zum ärztlich assistierten Suizid damit auszugrenzen und zu diffamieren.

Der Bereich Patientenbegleitung im Humanistischen Verband Deutschland (HVD) wird auch in Zukunft zusammen mit anderen Organisationen, Stiftungen und Kooperationspartnern den Dialog zwischen unterschiedlichen ethischen Positionen auf den Weg bringen. Er wird weiterhin zu verbesserten Bedingungen für Sterbende und Schwerstkranke beitragen und sich stark machen für eine neue  Bürgerbewegung, die sich nicht auf die Hospizidee beschränkt. 

 

 

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