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Es ist wieder soweit: Grippeimpfung ja oder nein?

15. November 2018

In Deutschland ist es mit quasi flächendeckenden Impfungen von Kindern gelungen, zahlreiche Krankheiten aus unserer Erfahrungswelt zu verbannen. Immer häufiger werden auch Grippeimpfungen für Erwachsene angeboten. Doch deren Nutzen ist nicht unumstritten.

Gita Neumann, Dipl.-Psych. Redakteurin des Newsletters Patientenverfügung gita.neumann@humanismus.de

Grippeviren: wer nicht mutiert verliert

Die Ärztin und Autorin Natalie Grams beschreibt im hpd, warum die Krankheitserreger der Grippe (Influenza), das heißt diese Viren, es für einen Impfstoff so schwer machen: „Sie haben sich im Lauf von etwa einer Milliarde Jahren eine Menge Tricks angeeignet, um zu verhindern, dass sie vom menschlichen Immunsystem schon an der Tür abgewiesen oder später massakriert werden. Das Influenza-Virus, das klassische Virus der ‚echten Grippe‘ … ist vielleicht der bekannteste dieser viralen Immunsystemexperten. Sein Trick ist eine sehr schnelle Entwicklung: Fast jedes Jahr verändert es sich durch Mutation und schlägt so den zuvor noch wirksamen Abwehrmechanismen im Körper ein Schnippchen. Wer nicht mutiert, verliert.“

Grams ist eine bekannte Streiterin gegen die sogenannten Impfskeptiker, die ihre Kinder nicht impfen lassen und deren Ablehnung der Impfempfehlungen an Verschwörungstheorien heranreicht. Darum geht es hier aber nicht. Die Antwort auf die Sinnhaftigkeit einer Grippeimpfung für Erwachsene kann nicht pauschal gegeben werden. Denn sie ist nur individuell möglich – am besten nach ärztlicher Beratung – und hängt stark vom Gesundheitszustand der jeweiligen Person ab. Zudem kann es durchaus sein, trotz Impfung eine echte Grippe zu bekommen. Denn hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.

Begründetes Misstrauen der Impfgegner?

Knapp 30 Prozent der Erwachsenen lassen sich hierzulande gegen Grippe impfen, was im Herbst, also noch im November geschehen sollte. Kein Schutz ist damit übrigens gegen den „grippalen Infekt“ verbunden, was leicht verwechselt wird. Zudem wirkte der 2017 zur Verfügung stehende Dreifach-Impfstoff leider nicht gegen bestimmte Influenza-B-Viren, die dann ausgerechnet vermehrt auftraten. Auch können nach einer Grippe-Impfung Nebenwirkung auftreten, nämlich Symptome wie bei einer Erkältung. Solche Reaktionen des Immunsystems klingen in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab.

Viele Menschen geben sich heutzutage als Impfgegner zu erkennen – aus allgemeinem Misstrauen gegenüber wissenschaftlicher Erkenntnis und dem Erfolg bei der Bekämpfung von Infektions-krankheiten. Bei der Grippeimpfung ist dies aus besagten Gründen nicht ganz unbegründet. So heißt es dann schnell:  “Ich lass mich nicht impfen, da gab es doch voriges Jahr diesen Skandal“ oder „Nie wieder, davon bin ich erst recht krank geworden“ oder auch „Da verdient doch wieder nur die Pharmaindustrie“.

Verbesserter Impfstoff 2018  

Die Quote, den tatsächlich auftretenden Virus zu treffen, ist angesichts der ständigen Mutationen nicht immer gleich günstig. In diesem Jahr kommt ein Vierfachimpfstoff zum Einsatz. Grippe mit typischem Schüttelfrost und Fieber gehört in Deutschland zu den stark unterschätzten Krankheiten. Mehr als 300.000 Grippefälle wurden im vergangenen Jahr gemeldet, 2.000 von ihnen mit tödlichem Ausgang. Dementsprechend rät Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, sich rechtzeitig impfen zu lassen. Allerdings biete auch der aktuelle Impfstoff keinen hundertprozentigen Schutz, aber “den effektivsten Schutz von bis zu 80 Prozent”.

Empfohlen wird die Impfung besonders für die Risikogruppe der Senior_innen und Schwerkranken (obwohl sie bei jüngeren und gesunden Menschen effektiver ist), da dann zumindest eine Grippeerkrankung weniger schlimm verläuft. Zudem sollte sich schützen, wer mit anderen Menschen häufig in Kontakt kommt, vor allem im Gesundheits- und Pflegebereich. Menschen aus den Risikogruppen zahlen nichts für die jährliche Immunisierung, sonst kann sie zwischen 20 und 30 Euro kosten. Eine Übernahme der Krankenkassenkosten für den teurere Vierfach-Impfungsstoff ist gesichert, da die ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut jetzt belegt hat, dass er wesentlich besser hilft als die frühere Dreifach-Impfung.

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