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Aerztetag: Hoppe für Priorisierung – Suizidhilfedebatte geht weiter

19. Mai 2009

Auch unter Ärzten gab es Kritik: Mit seiner heutigen Rede zur Eröffnung des 112. Deutschen Ärztetages betreibe der Ärztekammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe eine „Vernebelungstaktik", um nicht über fehlerhafte Strukturen in der medizinischen Versorgung reden zu müssen. Das sagte der Chef des mächtigen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt. Man könne nicht einfach wie Hoppe sagen: Wir kippen mehr Geld rein und gucken, wo es ankommt. Hoppes Rede bezeichnete Weigeldt als „grauenvoll".


„Priorisierung" soll laut Hoppe der künftige Kernbegriff in der Gesundheitsversorgung lauten. Was ist das? In seiner heutigen Rede schlug er dazu vor: „Unter Priorisierung versteht man die ausdrückliche Feststellung einer Vorrangigkeit bestimmter Indikationen, Patientengruppen oder Verfahren vor anderen. Dabei entsteht eine mehrstufige Rangreihe, in der nicht nur Methoden, sondern auch Krankheitsfälle, Kranken- und Krankheitsgruppen, Versorgungsziele und vor allem Indikationen in einer Rangfolge angeordnet werden."


Es mag überraschend erscheinen, dass sich Hoppe in seiner Rede gleichzeitig dezidiert gegen die ärztliche Hilfe zum Suizid ausgesprochen hat. Nicht dass – aufgrund angeblich „staatlich verordneter" Mangelversorgung – nun das eine mit dem anderen etwas zu tun hätte. Grund für Hoppes gleichzeitige Tabubrechung („Priorisierung") und Tabuaufrechterhaltung scheint vielmehr, dass er sich im letzten Fall mit einer zunehmend offen geführten Suizidhilfe-Debatte seiner Ärztekollegen konfrontiert sieht.

Hier ein Beispiel im offiziellen Ärzteblatt: http://www.aerzteblatt.de/v4/foren/beitrag.asp?id=86976

Siehe auch: http://prosterbehilfe.de/content/blogcategory/15/39/


 

In der Schweiz ist Suizidhilfe auch in (den meisten) Pflegeheimen geduldet. Zu tun hat die Sterbehilfeorganisation EXIT aber wenig:
http://www.thurgauerzeitung.ch/thurgau/kanton/Sterbehilfe-in-Heimen-geduldet/story/29432305
Hohes Suizidrisiko bei jungen Homosexuellen:
http://www.swissinfo.ch/ger/startseite/Hohes_Suizidrisiko_ist_bei_jungen_Homosexuellen.html

In Deutschland ist heute eine Angehörige wegen Tötung aus Mitleid verurteilt worden: Bewährung. Ihr Ehemann lag im irreversiblen Wachkoma in einer Klinik: http://www.schwaebische-post.de/regional/ellwangen/419424/

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