Inhalte

ARD: Begleiteter Suizid eines Schwerstkranken zu Hause, am 18.3.

15. März 2009

Mitternächtlicher Sendetermin in der ARD am 18. März 2009

Bereits vor einem Jahr war das Filmmaterial fertig im Kasten und auch geschnitten – erst jetzt wird er gezeigt werden: um Mitternacht am kommenden Mittwoch, 18.3. 2009 im Ersten. Titel: Der Streit um den selbst bestimmten Tod.“
http://daserste.ndr.de/reportageunddokumentation/sterbehilfe112.html

Es handelt sich um eine 45minütige, sensible Dokumentation der Filmemacherin Liz Wieskerstrauch. Es werden verschiedene Fälle von Sterbehilfewünschen jeweils von engsten Angehörigen nach erzählt.

Der Humanistische Verband wird am 9. Juli (am frühen Abend) den Film in Berlin nochmals zeigen und darüber mit dem Publikum diskutieren. Ein Statement zur Problematik wird dort u. a. der FDP-Politiker Michael Kauch, MdB abgeben. Anwesend wird auch die Filmemacherin sein (Sie werden im Patientenverfügung-Newsletter im Sommer noch genau darüber informiert).

Was werden die Kommentatoren im Film sagen?

Die ARD legte Wert darauf, dass zum Dokumentierten ausgewogene Kommentator/innen zu Wort kommen. Laut Pressetext werden das sein:

… der Medizinrechtler und Spezialist für Patientenrechte am Lebensende Wolfgang Putz, der Palliativmediziner Prof. Gian Domenico Borasio, der Sterbehilfebefürworter Dr. Winfried Beck, die Sterbehilfebegleiterin Gita Neumann vom Humanistischen Verband Deutschlands, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates Prof. Edzard Schmidt-Jortzig und die Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Niedersachsen Dr. Margot Käßmann.“

Besonders gespannt dürfen wir auf den „Sterbehilfebefürworter“ Dr. med. Winfried Beck sein,  ein Arzt, der bisher durch besonderes medizinisches Engagement und Zivilcourage (als Vorstandsvorsitzender demokratischer Ärztinnen und Ärzte) auffiel, nicht aber etwas als Mitglied einer Sterbehilfeorganisation.

Es mehren sich die Anzeichen, dass immer mehr nachdenkliche Ärztinnen und Ärzte ihrer Standesorganisation bei deren harscher Verurteilung der ärztlichen Suizidhilfe nicht länger stillschweigend folgen. Mehr: http://www.patientenverfuegung.de/kollegen-kritik-an-baek-praesident-hoppe

 

 

 

Beim Suizid eines Schwerstkranken zu Hause helfen und bei ihm bleiben bis zum friedlichen Tod – das geht durchaus auch in Deutschland. Nun sind erstmals mutige Familienangehörige, unterstützt von einer Begleiterin des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD), vor die Kamera getreten. Nachtrag zur Sendung: Während Herr N. durch Suizid friedlich zu Hause sterben konnte, ist die Situation der Mutter von Urs F. zum Zeitpunkt der Ausstrahlung (ca. ein Jahr nach den Dreharbeiten) immer noch unverändert. 

Einfühlsam wird die Geschichte des an Amyothroper Lateralsklerose erkrankten, fast vollständig gelähmten Herrn N. nacherzählt: Er hatte – mittels Strohhalm – eine Medikamentenmischung zu Hause zu sich genommen, die ihn innerhalb von wenigen Minuten in Tiefschlaf versetzte, aus dem er nicht mehr aufwachte.

Herr N., Studienrat, wohnhaft in Berlin-Köpenick, war ein Vereins- und Familienmensch: Ruderclub, Gartenlaube, Schulaktivitäten auch in der Freizeit. Angefangen hatte es vor Jahren mit ersten Taubheitsgefühlen in den Gliedmaßen, es folgten langsam zunehmende Lähmungen. Dann die Diagnose: Amyothrophe Lateralsklerose, unheilbar, fortschreitend. Als die Mitarbeiterinnen vom HVD ihn kennen lernen, ist Herr N. bereits unfähig sich zu bewegen, zeitweilig auf Beatmung angewiesen. Er nimmt es durchaus gelassen, ist unterhaltsam, geistig rege, keine Spur depressiv. Nur: Er meint, es sei jetzt genug.

Wenn sich der Tag X nähert

Es vergehen viele Monate. Schließlich geht der Wunsch, mit medikamentöser Hilfe aus dem Leben zu scheiden, bei Herrn N. in die Phase der konkreten Vorbereitung über. Seine Frau ist quasi sein ausführendes Organ, macht alles nach seinen Anweisungen, löst das Rezept mit den tödlich wirkenden Tabletten in der nahe gelegenen Apotheke ein. Es nähert sich der Tag X. An diesem steht alles bereit. Im Wohnzimmer, wo das Pflegebett seinen Platz beansprucht, wird erst noch einmal Nachmittagstee getrunken, es gibt Plätzchen, eine Kerze brennt – wie immer …

 

print