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Brücken bauen Nachdenken im November

20. November 2010

1) Novembergedanken: “Bea geht”  preisgekrönt

2) Ärztliche Podiumsdiskussion am 16.12. in Berlin

3) Ausblick: Aktualisiertes Standard-Patientenverfügung-Modell 2011

4) Richtigstellung: Erzbischof irrt

 

1) Novembergedanken: “Bea geht”, eine  preisgekrönte authentische Geschichte

Dunkel ab 17 Uhr, tagsüber nasskalt und nicht mal Farbe mehr durch Herbstblätter das letzte Drittel des Novembers ist angebrochen. Der Monat möge am liebsten ganz schnell vorübergehen – oder? Hat er nicht im Jahr eine ganz wichtige Funktion: Gedenktage, die uns fehlen würden für unsere Seelenhygiene, zu der erinnern gehört, in die Tiefe schauen auf genossenes Glück, getragenes Leid, vielleicht auch Schuld und Scham, auf das Zerbrechen von Vorstellungen und fragilen Lebenskonzepten, an denen wir dennoch festhalten.

Eine Krankheit (die eigene oder eines nahe stehenden Menschen) zerbricht beispielsweise die Illusion, dass wir immer so weiterleben können wie bisher. Würden wir an dieser Vorstellung festhalten, würden wir selbst zerbrechen. Wenn Leid nicht sein darf, wird die Gesellschaft brutal, hat Pater Anselm Grün in einer Rede vor über 800 andächtigen Zuhörer/innen herausgestellt.

Doch auch eingefahrene Polarisierungen und Ressentiments hinter uns zu lassen, gehört dazu. Möchten Sie sich ein wenig Zeit nehmen zum Nachfühlen und Nachdenken? Wir laden Sie ein, dazu an der authentischen Geschichte Bea geht teilzuhaben.

 

Diese vom Autor Reto U. Schneider selbst miterlebte Geschichte erschien im Januar im NZZ-Magazin. Er selber meint darin: Der Mensch scheint nicht dazu geschaffen zu sein, in den festgelegten Todeszeitpunkt eines anderen eingeweiht zu sein.

Der Autor erhielt für “Bea geht” in der vorigen Woche den Arthur-Koestler-Preis der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS). Zudem wurde der Sonderpreis Sonnenuhr an den Arzt und Buchautor (Wie wollen wir sterben?) Dr. Michael de Ridder verliehen.

Ausführlicher Bericht über die Preisverleihung hier

 

2) Berliner Podiumsveranstaltung mit Ärzten am 16. Dezember in Berlin

Dr. Michael de Ridder bezeichnete in seiner Dankesrede die DGHS-Auszeichnung als Ermutigung, da er auf seinem Weg in der Öffentlichkeit auf enorme Zustimmung stoße, bisher von Kollegen allerdings weitgehend allein gelassen werde. Von diesen erfahre er zwar auch Anerkennung, allerdings nur hinter vorgehaltener Hand und im privaten Gespräch.

Trotz des Patientenverfügungsgesetzes bestehe unter Ärzten und auch unter Juristen immer noch Dissens und Diskussionsbedarf. Er sehe seine Aufgabe auch darin, Brücken zu bauen. Das Wichtigste sei der Dialog, wie er im Patientenverfügungsgesetz vorgesehen sei, denn die Willensermittlung des Patienten sei nur in einem solchen Dialog möglich. Das sei die große Chance des jetzt geltenden Gesetzes. Das Gespräch ist auch immer Aufgabe der Medizin.

Eine öffentliche Diskussion mit zwei weiteren Ärzten wird es am 16. Dezember um 19.30 Uhr in der Berliner Urania geben. 

Jetzt geht es darum, nicht länger nur unter eh Gleichgesinnten zu bleiben, sondern den Dialog mit allen Ärztinnen und Ärzten und sonstigen Mitarbeiter/innen im Gesundheitswesen aufzunehmen, um zu einer neuen Sterbekultur zu gelangen. De Ridder schloss: Das ist besonders wichtig in einer Zeit, in der die medizin-ethische Diskussion verflacht.

 

3) Ausblick auf neue Standard-Patientenverfügung 2011

Im nächstem Patientenverfügung-newsletter wird nachdem bestehende Patientenverfügungskonzepte an dieser Stelle wiederholt als veraltet und in der Reichweite als zu beschränkt kritisiert wurden, ein aktuell erweitertes Modell einer Standard-Patientenverfügung vorgestellt.

Sie finden hier bereits vorab das Kernstück der Neuerung: Der mögliche Geltungsbereich einer Standard-Patientenverfügung kann erweitert werden durch zwei Zusatz-Optionen, die sich unten auf der ersten Seite dieses Formulars (nur Auszug aus dem Gesamtkonzept!) befinden.

 

4) Richtigstellung: Erzbischof irrt

Wir brachten im letzten Patientenverfügung-newsletter eine Meldung des Deutschen Ärzteblattes. Darin kritisiert der Berliner Erzbischof Sterzinsky scharf, dass die Stadt Lübeck den Verein SterbeHilfe Deutschland des früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch 2009 als gemeinnützig anerkannt habe. Die damit verbundene Botschaft sei ein Skandal

Doch hier irren Erzbischof und Ärzteblatt. Wie uns gegenüber ein ärztlicher Mitstreiter von SterbeHilfe Deutschland richtigstellte, hat der Verein wohlweislich ? nie die Gemeinnützigkeit beantragt!

Eine Anfrage bei Dignitate, der Deutschen Sektion der Schweizer Dignitas ergab: Auch dieser Verein gilt nicht als gemeinnützig. Diesen Status hat allerdings die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), die nach eigenen Angaben aber keine Sterbehilfeorganisation (mehr?) ist bzw. sein will.

 

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