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Dr. Bach ist tot – die ewige Angeklagte konnte Druck nicht mehr standhalten

25. Januar 2011

Dr. Mechthild Bach ist tot.

Sie hat in ihrer Wohnung Suizid begangen und wurde gestern tot aufgefunden.

Ihr Verteidiger Matthias Waldraff betont: „Ihr Gehen ist kein Schuldeingeständnis“. Vielmehr konnte sie dem zermürbenden Druck auf ihre Person durch jahrelange Anklage und Prozessdauer nicht länger standhalten. Wer könnte das nicht nachvollziehen?

In einer „Zwischenbilanz“ in der vorigen Woche präsentierte das Gericht sogar überraschend einen Mordvorwurf (wir berichteten ausführlich). Ohne diese Zwischenbilanz, die als brutal empfunden wurde und auch als „Deal“ zur Prozessverkürzung galt, „wäre meine Mandantin noch am Leben“, beklagt Waldraff.

Die Patientenverfügung-newsletter-Redaktion ist bestürzt und fragt sich: Welche Lektion haben wir aus ihrem Schicksal zu lernen? Sie starb im Alter von 61 Jahren. Spontan möchten wir Dr. Mechthild Bach den ihr gebührenden Respekt zollen. Was immer sie falsch gemacht haben mag, eine Mörderin war sie jedenfalls nicht.

Mechthild Bach hatte zum Prozessauftakt selbst ihre Unschuld beteuert und dabei das Recht jedes Menschen betont, "seinen Tod in Würde und angstfrei zu erleben".

Mit dem Tod der Angeklagten wird das Verfahren nun eingestellt. Das Gericht hat sich eh längst als falscher Ort für eine Klärung erwiesen.

Zu fordern ist eine endlich offen geführte Debatte über den Grenzbereich der aktiven indirekten Sterbehilfe. Vor allem die Palliativmedizin ist dazu gefordert – wie wird in jedem Einzelfall das beurteilt, was Dr. Bach getan oder unterlassen hat? Ausführliche Patientenakten dazu dürften ja jetzt zugänglich sein. 

 

Nachruf:

Die ewige Angeklagte auf der verzweifelten Suche nach Zuversicht  

http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Bestuerzung-in-Hannover-ueber-Tod-von-Krebsaerztin-Bach/Die-lange-Suche-nach-Zuversicht

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