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Zettel von Erna K. (86) – Experten am 4. 3. im Rechtsausschuss

28. Februar 2009

Expertenanhörung am 04.03.2009

Der Bundestag will noch in diesem Halbjahr verbindliche Regeln für Patientenverfügungen festlegen. Der Rechtsausschuss befragt in öffentlicher Sitzung am 4. März neun Sachverständige dazu. Siehe: http://www.bundestag.de

Einer davon ist Dr. de Ridder, der im Tagesspiegel von morgen, 01.03. folgenden Geschichte aus seiner Rettungsstelle in einem Berliner Krankenhaus erzählt:

Mit zittriger Hand halben Satz aufgeschrieben

„ … Reglos und schwer atmend, mit links hängendem Mundwinkel und schräg nach oben gewandtem Blick liegt Erna K. im Schockraum der Rettungsstelle. ‚Können Sie mich anschauen, Frau K., oder meine Hand drücken?‘ Weder ihr Blick noch ihre Hand antworten auf die Frage des Internisten Dr. S. …

Der Überleitungsbogen des Pflegeheims, das die Einweisung der 86-Jährigen veranlasst hatte, vermerkt diverse Vorerkrankungen: ‚Zustand nach Schlaganfall im Januar 2007 mit Halbseitenlähmung rechts, Diabetes mellitus, Morbus Parkinson, Herzinsuffizienz, chronische Bronchitis, Psoriasis, Druckgeschwür der linken Ferse.‘ Unter ‚Besonderheiten‘ steht: ‚Patientin kann nicht sprechen. Kontakt sehr erschwert. Spuckt Medikamente oft aus. Blasen- und Darminkontinenz. Kann nicht mehr alleine aufstehen. Ohne Anhang.‘ …

Wohl in der weisen Voraussicht, dass Frau K. nicht mehr zurückkehren würde, hatte das Heim ihre persönlichen Habseligkeiten in eine Tasche gepackt und dem Krankentransport mitgegeben. Penibel untersucht Schwester D. deren Inhalt. Aus einer Plastikhülle, vollgestopft mit alten Fotos, kaum mehr lesbaren Quittungen und Zetteln, fördert sie ein Papier zutage: ‚Mein Wille. Keine Schläuche, bitte. 18. April 2007. Erna K.‘ Mit zittriger Hand diagonal über die Seite geschrieben, sorgfältig gefaltet und mit einer Büroklammer an ihrem Personalausweis befestigt … ".
Vollständig siehe Quelle: http://www.tagesspiegel.de

Dr. de Ridder ist beratender Experte der Zentralstelle für Patientenverfügungen des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD). Siehe: http://www.patientenverfuegung.de

Wenngleich er sich selbstverständlich für eine ärztliche Beratung bzw. einen Prozess des Dialogs im Umgang mit Patientenverfügungen ausspricht, soll es ihm zufolge keine „Hierarchisierung" geben. D. h. auch eine andere authentische Willensäußerung, wie hier ein „unqualifizierter" handschriftlicher Halbsatz, ist als ebenso verbindlich anzusehen.


Informationsveranstaltung abends

Am gleichen Tag, abends um 19 Uhr wird es im Berliner Lichtburgforum eine Informationsveranstaltung der SPD zum Stand des Gesetzgebungsverfahrens mit dem Rechtspolitiker Joachim Stünker (SPD) geben. Daneben wird Gita Neumann vom HVD konkrete Handlungsanleitungen für Ärzte, sonstige Gesundheitsberufe, Vorsorgewillige, bevollmächtigte Angehörige und Betreuer vorstellen. In einem Filmbeitrag des Markus Krankenhauses Frankfurt / Main wird exemplarisch eine heute schon bestehende, gute Praxis aufgezeigt. Eintritt frei.
Näheres: http://www.lichtburgforum.de

Die bei der Veranstaltung vorgestellten neuen Materialien für eine einfache Standard-Patientenverfügung sowie eine qualifizierte optimale Patientenverfügung können ab nächster Woche auch per Post zugesandt werden. Sie können diese per Internet anfordern. Die zuständigen Mitarbeiter/innen freuen sich, wenn Sie dafür den unteren Kasten dieses Spendenformular nutzen würden: http://www.patientenverfuegung.de

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