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Endlich Schmerzmittelausgabe an Palliativpatienten – Sterbehilfe in NL und Schweiz

26. Februar 2012

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1. Angekündigte Neuregelung für Palliativmediziner wird einhellig begrüßt

2. Internationales Sterbehilfetreffen aus 45 Ländern – ohne Deutschland? 

3. EXIT verzeichnete 2011 Rekord mit über 6000 Neueintritten

4. Niederlande: Lebensendklinik gegründet – Sterbehilfe jetzt „frei Haus“?

  

1. Angekündigte Neuregelung wird einhellig begrüßt

Berlin – Künftig soll es in der ambulanten Palliativversorgung erlaubt sein, Patienten dringend notwendige Schmerzmittel unmittelbar zu überlassen. Bislang bedurfte es der Einschaltung eines Apothekers. Mit einer Novelle der Apothekenbetriebordnung und des Betäubungsmittelrechts sollen Ärzte künftig die Möglichkeit haben, an schwer kranke Palliativpatienten dringend benötigte schmerzstillende Medikamente auszugeben. Palliativverbände, Träger von Hospizen wie der Humanistische Verband halten die beabsichtigte Änderung für überfällig:

http://www.diesseits.de/Initiative der bundesregierung-zur schmerzmittelausgabe-palliativ

Begrüßt wurde sie auch von  Michael Kauch (FDP), Berichterstatter für Palliativ- und Transplantationsmedizin der FDP- Bundestagsfraktion. Er hält es für misslich, dass nach geltendem Recht ein Rezept geschrieben und das Medikament dann aus der Apotheke geholt werden muss. Am Wochenende und im ländlichen Raum ist dies für die Angehörigen oft schwierig, gerade wenn sie selbst hoch betagt sind.  Ärzte, die solche Schmerzmittel schon jetzt patientenfreundlich überlassen, müssten sich heute rechtlichen Konsequenzen stellen. 

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/politik/fdp-begruesst-plaene-zur-btm-abgabe-durch-aerzte

Dem Palliativmediziner  Dr. Thomas Sitte, dessen Fall die ganze Angelegenheit vor Jahren erst ins Rollen brachten, drohte nach damlaiger Aussage eines Staatsanwaltes sogar eine Gefängnisstrafe. Sitte ließ am Rande des Krebskongresses letzte Woche in Berlin verlauten, erst noch ein paar Monate abzuwarten, ob die Regelung auch tatsächlich erfolgt. Er behält sich vor, andernfalls mit seiner Palliativstiftung erneut massiv an die Öffentlichkeit zu gehen.

 

 

2. Internationales Sterbehilfetreffen in Zürich

Organisationen aus 45 Ländern treffen sich im Juni zu einem Kongress zum Ärger der Suizidhilfe-Gegner

Aus Anlass ihres 30-jährigen Bestehens veranstaltet die Sterbehilfeorganisation Exit ein Treffen des Weltverbands für das Selbstbestimmungsrecht. Der Kongress in Zürich provoziert Kritik aus christlichen Parteien.

Rund 100 Delegierte von Sterbehilfeorganisationen aus aller Welt werden sich vom 13. bis zum 18. Juni im «Swissôtel» in Zürich Oerlikon austauschen und an einem Rahmenprogramm erfreuen. Die Sektionen der Deutsch- und der Westschweiz von Exit führen zum 30-Jahr-Jubiläum des Suizidhilfe-Vereins den zweijährlich stattfindenden Kongress des Weltverbands für das Selbstbestimmungsrecht durch.

55 Gesellschaften aus 45 Nationen werden in Zürich vertreten sein. Auf der Website des Anlasses präsentiert sich auch Zürich Tourismus, und Stadt und Kanton offerieren den Kongressteilnehmern einen Apéro

Quelle: http://www.nzz.ch/nachrichten/zuerich/stadt_und_region/internationales_sterbehilfe-treffen_in_zuerich

Anmerkung: Ob auch Deutschland vertreten ist, geht aus der Meldung nicht hervor. Dies scheint jedoch fraglich, seit die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS) ausdrücklich keine Sterbehilfeorganisation mehr sein will. Hierzulande haben wir augenscheinlich die Situation, dass es keine Sterbehilfevereinigung gibt (außer SterbehilfeDeutschland, von der allerdings eine Mitwirkung oder gar Mitgliedschaft in einem internationalen Zusammenschluss nicht bekannt ist).

 

 

3. Sterbehilfeorganisation EXIT verzeichnet 2011 Rekordzuwachs von über 6000 Neueintritten

ZÜRICH – ZH – Die Sterbehilfeorganisation Exit hat im vergangenen Jahr 305 Menschen in den Freitod begleitet. Das sind 48 mehr als 2010. Die meisten Personen wollten sterben, weil sie an Krebs erkrankt waren. Einen Rekord verzeichnte Exit beim Mitgliederzuwachs.

Im Durchschnitt waren die Sterbewilligen 76,5 Jahre alt, wie Exit am Montag mitteilte. In seltenen Fällen und nur nach besonders intensiven Abklärungen durch Fachärzte würden auch psychisch Leidende in den Tod begleitet. Im vergangenen Jahr sei dies in drei Fällen geschehen.

Insgesamt gab es 2010 mehr als 1500 Sterbehilfeanfragen. Bei 468 Personen wurden Abklärungen für eine Freitodbegleitung gemacht. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wie Exit weiter mitteilte, verzeichnete die Sterbehilfsorganisation mit weit über 6000 Neueintritten im vergangenen Jahr einen neuen Rekord. Ende Jahr waren bei Exit gesamthaft gegen 80’000 Mitglieder eingeschrieben, davon 58’000 in der Deutschschweiz.

Quelle: http://www.blick.ch/news/sterbehilfeorganisation-exit-verzeichnet-rekordzuwachs

Fast drei Viertel der Suizide in der Schweiz werden von Männern verübt. Die Sterbehilfe-Organisationen Exit und Dignitas berichten nun beide, dass bei den assistierten Suiziden die Frauen in der Überzahl sind. Woran liegt das?

Siehe:  http://www.tagesanzeiger.ch/Frauen-sterben-anders

 

 

4. Niederlande: Erweiterung der ambulanten Sterbehilfe und Euthanasie-Klinik durch NVVE

Eine „Lebensende-Klinik“ will Patienten mit „aussichtslosem und untragbarem Leiden“ auf deren Wunsch im eigenen Heim töten. Es wird mit 1.000 Anfragen jährlich gerechnet.

Seit April 2002 gibt es ein Gesetz in den Niederlanden, das Ärzte bei aktiver Sterbehilfe von der Strafverfolgung freistellt, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.  

DEN HAGG taz | Niederländer, die ihr Leben beenden wollen, können sich ab 1. März bei einer „Levenseindekliniek“ melden. Voraussetzung ist, dass ihr Euthanasie-Wunsch durch das geltende Gesetz gedeckt ist und der eigene Hausarzt die Bitte um Sterbehilfe nicht erfüllen will. Die Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende (NVVE) in Amsterdam hat diese Klinik initiiert.

Petra de Jong, Direktorin der NVVE, erwartet, dass „etwa 1.000 Menschen jährlich“ in der sogenannten Lebensendeklinik Hilfe suchen werden. „Die Klinik ist für körperlich unheilbar Kranke“, sagt de Jong, „für chronisch psychiatrische Patienten und für Menschen mit beginnender Demenz.

Die Patienten müssen eine sorgfältige Prozedur durchlaufen, in der die Ärzte beurteilen werden, ob die Bitte um Euthanasie freiwillig und wohl überlegt ist und ob ein aussichtsloses und untragbares Leiden vorliegt.“ Man könne „nicht einfach in der Klinik anrufen und sagen, dass man sterben will und dann geschieht das“.

„Später in diesem Jahr soll die Klinik auch mit ein bis zwei Betten ausgestattet werden für Menschen, die zu Hause nicht sterben können oder wollen, weil zum Beispiel Kinder im Haus sind, oder die in einer Einrichtung leben und dort nicht sterben möchten.“

http://www.taz.de/Euthanasie-in-den-Niederlanden/!88074/

Für Empörung in der Deutschen Ärzteschaft und Hospizbewegung hat zudem die Ausdehnung der direkten aktiven Sterbehilfe (Tötung auf Verlangen) im ambulanten Bereich in den Niederlanden gesorgt:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49058

http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/sterbehilfe_begleitung/article/804041/deutsche-aerzte-sterbehilfe-initiative-holland-empoert.html

Siehe auch:

USA-Präsidentschaftskandidat: Holland tötet seine Senioren: http://www.20min.ch/news/ausland/story/-Holland-toetet-seine-Senioren

 

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