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Hospizbewegung driftet auseinander – im Treibsand

2. Juni 2009

Berlin – Am Freitag vor Pfingsten wurde mit einem „Multikulti"-Fest das erste interkulturelle, d. h. in diesem Fall asiatisch geprägte Hospiz vom HVD (Humanistischer Verband Deutschlands) eröffnet. Der ambulante Dienst heißt Dong-ban-ja und wird von einer Koreanerin geleitet. Siehe: aktuelles/dong-ban-ja-erster-interkultureller-hospizdienst-im-hvd-berlin-eroeffnet

 

Humanistische Hospizarbeit außerhalb des Hospiz-Dachverbandes DHPV

Die humanistische Hospizarbeit entwickelt sich beständig weiter und ist – mit zu leistendem Eigenanteil – krankenkassenfinanziert. Das wäre nicht sonderlich bemerkenswert, wäre der Humanistische Verband mit seinem damals ersten ambulanten Hospizdienst VISITE nicht ausgeschlossen worden aus dem Hospiz-Dachverband, der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz (heute umbenannt in: Deutscher Hospiz- und Palliativverbad – DHPV). Begründung: Die Haltung des Humanistischen Verbandes zum humanes Sterben gewährleiste nicht, dass er sich (wie es im traditionell hospizlichen und christlichen Sinn verlangt wird) gegen jede Form von aktiver Sterbehilfe empöre. Dies ist zwar richtig (siehe hier), doch ein Grund, bewährte humanistische Hospizarbeit als missliebig auszugrenzen? Die unerfreuliche Geschichte des Ausschlusses aus dem Bundesverband Hospiz im Juni 2005 ist hier nachzulesen http://www.patientenverfuegung.de/info-datenbank/2005-6-7/dunkle-aspekte-der-hospizbewegung-ausgrenzend-gegen-missliebige-u-unerwuensc

Damals, exakt vor vier Jahren, wurde durchaus in Kauf genommen, damit der humanistischen Sterbebegleitung den Garaus zu machen. Die Entwicklung ist allerdings ganz anders verlaufen. Zur eigenständigen humanistischen Hospizarbeit hinzugekommen sind Hospiz-Dienste für schwerstkranke Kinder, siehe Berlinerherz.de und Menschenkind-berlin.de. Und in knapp drei Wochen, am 19. Juni, eröffnet der HVD sein stationäres Hospiz Ludwigburg

 

Gegesätzliche Haltungen der Hospizbewegung zum Patientenverfügung-Gesetz – Abstimmung am 18.6.

Abgesehen davon driftet die Hospizbewegung noch auf einem anderen Gebiet auseinander: Zwischen besagtem Deutschen Hospiz- und Palliativverband (DHPV) einerseits und Deutscher Hospizstiftung (DHS) andererseits. Der Hospizverband DHPV äußert sich zum Thema Patientenverfügungen nur sehr vage und sucht sein Heil in ausdrücklicher Anlehnung an die Bundesärztekammer, die ein Patientenverfügungsgesetz ablehnt. Laut DHPV könne ein Gesetz allenfalls „hilfreich sein, wenn es den Dialog zwischen allen … Beteiligten fördert." Dieser mehr als unbestimmten Stellungnahme von 2007 ist seitdem nichts hinzugefügt worden.


Obwohl es jetzt – nach Terminverschiebung wegen unklarem Abstimmungsmodus im Mai – am 18. Juni offiziell um die Abstimmung zum Patientenverfügungsgesetzt geht. Ganz anders agiert hingegen die Deutsche Hospiz-Stiftung (DHS). Sie hat vorige Woche eine Bürger-Kampagne ins Leben gerufen „Patientenverfügungsgesetzt – jetzt " (egal welches unter den jetzt vorliegenden, sich durch Änderungen zunehmend angleichenden Entwürfen). Die DHS argumentiert: „Denn im Augenblick versinken Betroffene, Angehörige, Ärzte und Vormundschaftsrichter tief im ethischen und juristischen Treibsand."

Siehe: http://www.patientenverfuegung.de/view/aktuelles

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