Inhalte

Sterbefasten Filmpremiere und Hospizfortbildung

25. September 2013

INHALT: 

1.) Sterbefasten ein dritter Weg zwischen Hospizbegleitung und Suizidhilfe?
2.) Weitere Veranstaltungen (im Oktober)
3.) Zum Tod von Erich Loest ein den Freitod verherrlichender, uninformierter Beitrag in FR und Berliner Zeitung

 

1. Sterbefasten – erste Filmdokumentation in Deutschland: Premiere in Berlin am 19.11.

Premiere in Deutschland: Das Medienprojekt Wuppertal www.medienprojekt-wuppertal.de hat erstmalig Geschichte und Verlauf eines freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit dokumentiert. Die Idee dazu stammt vom Humanistischen Verband Deutschlands (HVD), der die Kontakte zu den Protagonisten vermittelte.

Der Begleittext zur Dokumentation beginnt mit den eigenen Worten der erst 56 jährigen, unheilbar erkrankten Marion M. Sie hätte sicher noch ein paar Monate länger leben können ein Hospizaufenthalt kam deshalb nicht in Frage. Auch ein hinzugezogener, ambulant tätiger Palliativmediziner (SAPV) zog sich von der Begleitung zurück, da ihr Zustand noch keinen absehbar tödlichen Verlauf angenommen hatte. Dennoch konnte Marion M. friedlich im Kreise ihrer Familie am Morgen des 8. August 2013 sterben, nachdem sie sich drei Wochen vorher bewusst entschieden hatte, keine Nahrung mehr zu sich zu nehmen.
Dabei berichtet Marion M. , sie habe lange Zeit ein Martyrium auf sich genommen und „alles getan, um gesund zu werden“. Doch als der Leidensdruck immer stärker und als klar wurde, dass sich ihr Körper nie mehr erholen kann, habe sie sich gesagt: Es geht nicht mehr, ich bin am Anschlag und ich werde es nicht zulassen, ein Medizinprojekt zu werden mit künstlicher Ernährung usw. – bis hierher und nicht weiter.“

Durch ihre Tochterdie junge Frau P., nahm sie Kontakt zum Humanistischen Verband Deutschlands (HVD) auf. Der dort ehrenamtlich tätige und in der Methode erfahrene Arzt Hartmut Klähn ermöglichte eine Begleitung beim Freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit“. Im Fragebogen des HVD für eine Optimale Patientenverfügung auf der Seite 5 ist diese Option vorgesehen. Sie wird Verfügenden, die dies angekreuzt haben, dann ausführlich erklärt.

Marion M. entschied sich, ihr Leben so zu einem selbst gewählten Zeitpunkt zu verkürzen. Zur Autonomie und Freiheit zum Tod gehörte für sie auch, sich nicht von aktiver Hilfe“ zu einem Suizid und externen Regularien abhängig machen zu müssen. Wenngleich es auch für den von ihr gewählten Weg galt, alles gut zu planen. Marion M. zog vorher zu ihrer Tochter und deren Familie (zu der zwei Kleinkinder gehören) und bereitete sich und die anderen auf das Sterbefasten vor. Zwischendrin immer der Gedanke, das kann nicht sein.“ Das Akzeptieren, Abschiednehmen und Aufgeben ist ein langer Prozess, der im Film auch aus Sicht ihrer Tochter und ihres Arztes geschildert wird.

Vorpremiere:
Am 18.11. um 19:30 Uhr im CinemaxX in Wuppertal, Bundesallee 250, Eintritt 1, EUR.
Uraufführung:
Am 19. 11. um 19.30 Uhr in der Urania in Berlin, An der Urania 17, Eintritt 7 Euro (mit Ermäßigungen und Freikarten des HVD)

Bei einem anschließenden Publikumsgespräch unter Leitung des Regisseurs Andreas von Hören werden anwesend sein: Die Tochter von Marion M., der sie begleitende Arzt Hartmut Klähn (Ehrenamtlicher im HVD) und Gita Neumann (Referentin Lebenshilfe im HVD – Humanistischer Verband Deutschlands)

 

Einen umfassenden Überblick über Veröffentlichungen zum Thema Sterbefasten bietet: http://www.pkgodzik.de/index.php?id=293

Vorschau auf eine Beraterschulung zum Sterbefasten“ der Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit (APPH, angesiedelt am Klinikum der Universität München / Interdisziplinäres Zentrum für Palliativmedizin):
24. Februar 2014, 10-18 Uhr,
Ort: Christophorus Akademie München, Gebühr 150 Euro, Teilnehmerzahl 24,
Zielgruppe: Beratende zu Patientenverfügung / Mitarbeitende in der Palliativbetreuung, Leitung: Dr. Jürgen Bickhardt und Dr. Ulla Mariam Hoffmann.
www.apph.org/vernetzen/beraterschulungen/verzicht-auf-nahrung-und-fluessigkeit

 

2.) Weitere Veranstaltungen (im Oktober)

Kongress am 12. Oktober, 9 16 Uhr in Gießen:
sterben-im-krankenhaus.de
Ungefähr 50% aller Menschen in Deutschland sterben im Krankenhaus. Verstädterung, Kleinfamilie als Regel sowie demographische Entwicklung lassen eher vermuten, dass dies so bleiben wird. Welche Versorgungs- und Betreuungsqualität bieten Krankenhäuser den Sterbenden heute? Wie erleben und beschreiben Ärzte und Pflegende die Situation? Als Grundlage dient eine empirische Studie, an welcher 1.400 Krankenhaus-Mitarbeiter/innen aus ganz Deutschland teilnahmen und die vom TransMIT-Zentrum in Gießen durchgeführt wurde. Wie lässt sich die Qualität bei zunehmendem Ärztemangel (oder gar gerade aufgrund notwendigerweise veränderter Krankenhausstrukturen?!) in der Zukunft verbessern? Überraschende Ausblicke zu Widersprüchen durch Mittelverknappung und sich daraus auch ergebenden Zukunftschancen zur Betreuungs-Situation alter Menschen gibt im Filmbeitrag Hans-Joachim Schade,Fachanwalt für Medizinrecht:

http://www.youtube.com/watch?v=igzZSNctBSs

Kongressprogramm: http://sterben-im-krankenhaus.de/kongress-programm-3



Abendveranstaltung am 1. Oktober in Bad Homburg am 1. Oktober . 19.30 bis 21 Uhr: 

„Würde und Eigenverantwortung am Ende des Lebens“ im Kurhaus Bad Homburg, Louisenstraße, Eintritt frei

Eher im altbekannten Fahrwasser konventioneller Kontroversen dürfte sich diese Veranstaltung bewegen. Zumindest lassen der Titel Palliativmedizin oder Sterbehilfe“ und der folgende Programmauszug mit Standpunkten der Hauptkontrahenten darauf schließen:
Sterbehilfe in Form früherer Herbeiführung des Todeszeitpunktes lehne ich als Arzt ab. Dies kann ich guten Gewissens tun, da ich weiß, dass kein Mensch trotzdem körperlich leiden muss. Palliativversorgung kann lindernd helfen, so dass man den natürlichen Todeseintritt ohne Leiden erwarten kann.“ Das ist der Standpunkt von Thomas Sitte, Vorstandsvorsitzender der Deutschen PalliativStiftung und Facharzt für Palliativmedizin.
Uwe-Christian Arnold, Arzt und Sterbehelfer“ aus Berlin, ist ebenfalls am 1. Oktober dabei und vertritt den konträren Standpunkt. Er befürwortet den ärztlich assistierten Suizid. Er diskutierte zu diesem Thema bereits in Frank Plasbergs Sendung Hart aber Fair“.“

Darüber hinaus sind auf dem Podium vier weitere Diskutant/-innen vertreten.

http://www.medandmore.de/index.php/projekte/palliativmedizin-oder-sterbehilfe

 

3. Zeitungskolumne von Karl-Heinz Karisch über „Mittelalter-Ethik“ bei Suizidhilfe, die ein Zurechtrücken erfordert

Er ging seinen Gang, hieß es. Er ging seinen Gang bis zu einem Fenster in der Uniklinik in Leipzig. Und dann ging er einen letzten Schritt weiter. Der Schriftsteller Erich Loest hat Selbstmord begangen. Und wir sind bestürzt. In unserem Land versteckt man das, was Loest getan hat und Tausende andere tun, hinter dem Fremdwort Suizid. Klingt sauberer, klingt nicht nach zerschmettertem Schädel, nicht nach Blutbad …
Deutschland hingegen verharrt in einer Mittelalter-Ethik. Der Schmerz gehöre zum Leben, heißt es. Aber es rührt sich was. Die Kirchen öffnen sich zaghaft der Idee von Hospizen und Palliativmedizin. Immerhin. Dagegen schwingt der Deutsche Ärztetag seit 2011 eine gnadenlose Keule: Beihilfe zum Suizid ist allen Ärzten berufsrechtlich verboten.“ Zur nötigen Richtigstellung siehe kritischen Kommentar dort vom 20.9.:
http://www.fr-online.de/meinung/kolumne-das-recht-zu-gehen,1472602,24374760.html
Der Beitrag von Karisch ist auch auf der Meinungsseite in der Berliner Zeitung erschienen.
 

print