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Gesetzliche Regelung von Patientenrechten und Sterbehilfe – 10 Eckpunkte des HVD von 2003

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) hat auf seiner Bundesdelegiertenversammlung am 20. September 2003 Folgendes verabschiedet: "Autonomie am Lebensende" Eckpunkte des HVD zur gesetzlichen Regelung von Patientenrechten und Sterbehilfe 1. Patientenwille und Selbstbestimmungsrecht gelten verbindlich Jeder Patient hat bis zum Lebensende Anspruch auf eine qualifizierte und sorgfältige medizinische Behandlung. Er hat das Recht, Art und Umfang […]

HVD zum Fall Dr. Bach: Zulässige Sterbehilfe oder Tötung?

Hannover, 19.02.2004. Die Langenhagener Internistin Mechthild Bach wurde gestern Morgen um sieben Uhr in ihrer Privatwohnung verhaftet. Sie sitzt in Untersuchungshaft wegen des dringenden Verdachts, in mindestens acht Fällen bei schwerstkranken Krebspatienten Morphium und Diazepam in überhöhter Dosis verabreicht zu haben, welche tödlich, oder zumindest gezielt todesbeschleunigend gewirkt haben soll. Auch das Unterlassen lebensrettender Maßnahmen […]

Bundestagsabgeordnete fordern Ende der Tabuisierung

Bundestagsabgeordnete fordern ein Ende der Tabuisierung des selbstbestimmten Sterbens Rolf Stöckel (SPD), Irmingard Schewe-Gerigk (Bündnis 90/Die Grünen) und Hildebrecht Braun (FDP) planen für die kommende Legislaturperiode, einen Gesetzesentwurf zum humanen Sterben ins Parlament einzubringen. Sie halten es für nicht nachvollziehbar, dass in der Vergangenheit kein entsprechender Gesetzentwurf vom Parlament behandelt wurde und sehen einen dringenden […]

3 Jahre Patientenverfügung im Internet

Das Interesse an seriösen Angeboten zu maßgeschneiderten, rechtsverbindlichen Patientenverfügungen ist riesengroß. Dies zeigen 135.000 Direktzugriffe und zusätzliche 45.000 Zugriffe durch Links auf die Seiten www.patientenverfuegung.de des Humanistischen Verbandes seit Juni 1999 bis Mai 2002. Dabei haben sich allein in der ersten Maiwoche 3.900 NutzerInnen das Patientenverfügungsformular im PDF-Format herunter geladen. Informationen und Debattenbeiträge über Sterbehilfe […]

Tötung auf Verlangen

Gemäß § 216 Strafgesetzbuch mit Freiheitsentzug ab ½ Jahr bis zu 5 Jahren bestraft. Begrifflich oft als gleichbedeutend mit “aktiver Sterbehilfe” gebraucht. Tritt in Folge eines Tuns vorzeitig der Tod ein, ohne dass Verlangen oder auch nur eine Zustimmung vorliegt, handelt es sich hingegen um Totschlag oder Mord.

Selbsttötung

Die Selbsttötung eines Freiwillensfähigen und die Hilfe dazu ist straflos (wobei der Sterbewillige letztendlich die Tatherrschaft hat, indem er z. B. einen Becher mit tödlich wirkenden Medikamenten selber austrinkt). Seit Dezember 2015 ist allerdings eine geschäftsmäßige, d.h. auf Wiederholung zielende Förderung” von Suizidhilfe durch einen neu eingeführten 217 StGB verboten dagegen sind Verfassungsbeschwerden eingereicht worden.

Sedierung

Verwendet werden dämpfende und/ oder angstmindernde Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Narkotika, Sedativa (Typisch etwa Benzodiazepin, Diazepam; auch Neuroleptika bzw. Psychopharmaka und Opioide). In der Final- oder Sterbephase werden diese auch als “Ko-Medikation” zusammen mit Schmerzmitteln verabreicht, oder auch zur sog. palliativen oder terminalen Sedierung. Die gewünschte Sedierungstiefe und -art (andauernd oder unterbrochen) wird je nach Situation vom Arzt […]

Schmerz, chronisches Leiden

Wenn Schmerzen ihre Warnfunktion verloren haben, können sie zu einem eigenständigen Krankheitsbild führen. Diese Schmerzkrankheit ist neben den organischen auch durch die daraus folgenden psychosozialen Veränderungen definiert und sie bestimmt das ganze Leben des Patienten. Als Beispiele seien nur genannt Kopf- und Rückenschmerzen, Neuralgien, Knochen-, Rheuma- oder auch Phantomschmerzen. Sie sind meist multikausal und die […]

Wiederbelebung (=Reanimation)

Maßnahmen bei Atem-, Herz- und Kreislaufstillstand, die geeignet sind, die Sauerstoffversorgung aufrechtzuerhalten bzw. wieder in Gang zu setzen, z. B. durch Herz-Lungen-Reanimationsapparaturen. Ist die Wiederbelebung erst nach mehr als 5 Minuten erfolgreich, muss mit schwerer Gehirnschädigung (siehe auch: Vegetativer Status) durch den erlittenen Sauerstoffmangel im Gehirn gerechnet werden.

Hospizversorgung

Ausschließlich für Sterbende und unheilbar Schwerstkranke (meist Krebspatienten); sorgfältige Basispflege, Schmerztherapie, psycho-soziale Ansprache und spirituelle Sterbebegleitung, wobei »aktive« Sterbehilfe als gezielte Todesbeschleunigung ethisch abgelehnt wird. I. d. R. ambulant, d. h. zu Hause, unter Beteiligung ehrenamtlicher Helfer/innen. Stationäre Aufnahme nur, wenn eine häusliche Versorgung nicht mehr möglich ist (Pflegeheimbewohnerinnen können nicht mehr ins Hospiz). Die […]

Hirntod

Irreversibles (d.h. nicht umkehrbares) Erloschensein der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms, i.d.R. nach Kopfverletzung. Betroffen sind ca. 1% aller Verstorbenen. Beim Hirntod sind (anders als beim darauffolgenden Herztod als klassischem Todeszeichen) durch kontrollierte Beatmung Herz-Kreislauf-Funktionen noch künstlich aufrecht zu erhaltenen. Die Feststellung und Dokumentation des Hirntodes ist Voraussetzung für die “Entnahme” lebensfähiger […]

Schlaganfall

Zugrunde liegt eine Durchblutungsstörung im Gehirn mit plötzlichem Mangel der Nervenzellen an Sauerstoff und anderen Substraten. Als Ursache zu unterscheiden sind eine auftretende Minderdurchblutung (Primärer Hirninfarkt infolge verstopfter Arterie) und eine akute Hirnblutung (in Folge einer geplatzten Arterie). Um den Schaden, den ein Schlaganfall im Gehirn verursacht, zu verringern und die Chancen auf eine komplette […]

Einwilligung

Ohne diese (entweder des Patienten oder seines legitimierten Vertreters) ist jeder medizinische Eingriff rechtswidrig (Ausnahme: Unmittelbarer Notfall) und der Arzt kann wegen Körperverletzung belangt werden.

Chemotherapie

Meist ist die medikamentöse Bekämpfung von Krebs-Tumoren (mit oft gefürchteten Nebenwirkungen) gemeint. Es kann sich jedoch auch um chemische Stoffe mit schädigender Wirkung auf Infektionserreger handeln. Eine Chemotherapie kann das Ziel der Heilung, Stabilisierung oder auch Linderung haben.

Sterbehilfe: präzise Bescheibung ist notwendig

“Aktiv”, “passiv” und “indirekt” keine sinnvolle Einteilung? Es hat sich eingebürgert, zwischen “aktiver”, “passiver” und auch “indirekter” Sterbehilfe begrifflich zu unterscheiden (und auch im Folgenden werden Sie diese Einteilung finden). Diese Abgrenzungen sind jedoch auch irreführend und emotional aufgeladen. Deshalb hat der Nationale Ethikrat bereits vor Jahren vorgeschlagen, auf diese ideologisch überfrachteten Begriffe zu verzichten. […]

Indikation (absolute / relative) und Dialog mit dem behandelnden Arzt

Der nachstehende Text wurde von Dr. M. Strätling verfaßt, bevor es zur zivil- und strafrechtlichen Klarstellung kam. Mit grundsätzlichen Konflikten mit Ärzten bei einer gültigen Patientenverfügung ist seitdem glücklicherweise nicht mehr zu rechnen. Dennoch halten wir den nachstehenden Text insbesondere dann für hilfreich, wenn es um die Abklärung von Behandlungsaussichten, d. h. Indikationn und zu […]

BGH-Urteil 2010: Hintergründe für Probleme in der Praxis

Warum wurde der Wille zum “Abschalten” von Rosemarie Löw nicht beachtet? Der Fernsehbeitrag aus dem Klinikalltag  “Schaltet mich ab” (2009) verdeutlicht die Bedeutung des am 25.6.2010 erfolgten BGH-Urteils. Danach ist auch das zivilrechtlich gebotene “aktive” Abschalten gemäß Patientenverfügung bzw. Patientenwille nicht strafbar. Rosemarie Löw leidet an einer unheilbaren Lungenkrankheit. Ihrem bei vollem Bewußtsein erklärten Wunsch, […]

Medien-Echo 2008 zur optimalen Patientenverfügung des HVD (Auswahl)

WDR-Wissenschaftsmagazin Quarks & Co “… Eine zu empfehlende kostenfreie Beratung bietet der Humanistische Verband in Berlin an. Entweder persönlich … oder sonst auch telefonisch … Es ist ratsam sich an Stellen zu wenden, die Erfahrung mit dem Thema haben …” Beck-Rechtsratgeber im dtv “Dieser Organisation geht es um eine möglichst individuell formulierte Patientenverfügung. Damit diese […]

Bei Patientenverfügungen (PV) zu beachten

Allgemeine Hinweise V. a. bei einer bereits diagnostizierten schweren Erkrankung sollte das zusätzliche Gespräch mit dem behandelnden Arzt / der behandelnden Ärztin gesucht werden. Beratung ist ein Recht, aber laut 2009 verabschiedetem Patientenverfügung-Gesetz keine Pflicht bzw. keine Wirksamkeitsvoraussetzung für die Verbindlichkeit einer Patientenverfügung. Empfohlen wird die Bezeugung einer Patientenverfügungen durch Arzt / Ärztin oder sonstige […]

Vernetzung im HVD Berlin-Brandenburg KdöR

Wir haben tagtäglich mit Fragen der Versorgung und schwierigen Behandlungsentscheidungen zu tun und sind eng vernetzt mit vielen anderen Diensten. Deshalb wissen wir sehr gut, wo die Probleme in der Praxis liegen. Würde die Autonomie des Einzelnen verabsolutiert und von Sozial- und Sinnbeziehungen abgekoppelt, ergäbe sich ein reduziertes Menschenbild. In der modernen Gesellschaft drohen „existentielle“ […]

Vorteil knapper Anweisungen v.a. im Rettungsdienst- Der Notfallpass

Patientenwille im Rettungsdienst Einwände gegen eine vorsorgliche Willenserklärung (Patientenverfügung) wiegen gerade im Rettungsdienst, wo Hinweise z. B. auf ein Reanimationsverbot am dringendsten gebraucht würden, besonders schwer: Patientenverfügungen sind immer noch nicht so stark verbreitet, “und wenn doch vorhanden, sind sie häufig nicht verfügbar, wenn doch verfügbar, sind sie meist bezogen auf die gegebene Behandlungssituation nicht […]

Hilfreiche Beiträge und ausgewählte Adressen

Adressen zu Sterbebegleitung / Hospizhilfe  und mehr Eine Adressensuchfunktion zu Hospiz- und Palliativangeboten (nach PLZ): www.wegweiser-hospiz-palliativmedizin.de Auf der Seite der Theodor-Springmann-Stiftung finden Sie Hilfe zu Patientenschutz und -beratung, Selbsthilfe, Alter, Trauer und einschlägige Beratungsangebote von Einrichtungen und Organisationen Die Deutsche Hospizstiftung (Heute: Stiftung Patientenschutz) unterhält bei Konflikten eine Schiedsstelle zu Patientenverfügungen Artikel dazu hier. Hinter […]

Humanes Sterben

Selbstbestimmung bis zum Lebensende ist ein vom Grundgesetz geschütztes Recht Über zwei Drittel der Bevölkerung wünschen sich bei schwerster Erkrankung die Möglichkeit, auch mit ärztlicher Hilfe ihr Leiden abkürzen zu können. Tatsächlich fand sich früher schon kaum ein Mediziner, der darüber überhaupt nur zu sprechen bereit ist. Diese für viele Menschen problematische Situation ist durch […]

Straf- und zivilrechtliche Aspekte – Verbindlichkeit einer hinreichend konkreten PV

Bundesgerichthof-Beschluss vom 6. Juli 2016 im Original Der am 8. August veröffentlichte Beschluss besagt, dass eine Patientenverfügung nicht umgesetzt werden muss, wenn es an hinreichender Konkretheit ihrer Bestimmungen fehlt. Nur “lebensverlängernde Maßnahmen” abzulehnen, reicht demnach nicht aus. Bundesgerichthof-Beschluss von 2014 Für den Abbruch lebenserhaltender Maßnahmen bei schwerkranken Patienten kann deren mutmaßlicher Sterbewunsch ausreichen. Der Bundesgerichtshof […]

Vorhandene Patientenverfügung Qualitäts-Check Hilfe im “Vorsorge-Dschungel”

Oft schon wurde der Wunsch an uns herangetragen, eine bestehende Patientenverfügung zu überprüfen. Das hat sich jetzt extrem ausgeweitet durch den im August veröffentlichten Bundesgerichtshofbeschluss. Ein solcher Streitfall wie der hier zugrundeliegende ist allerdings extrem selten dabei aber sehr drastisch und beunruhigend: Eine 75-Jährige, die vorher glaubte, bei der Vorsorge alles richtig und sorgfältig geregelt […]

Von Ärzten zu beachten zum Umgang mit PV

1. Widerruf Eine Patientenverfügung muss schriftlich (nicht: handschriftlich!) mit Datum und Unterschriff abgefasst sein. Sie kann auch mündlich (oder durch nicht verbale Zeichen) widerrufen werden, solange die Einsichts- oder Äußerungsfähigkeit in der akuten Situation dazu besteht (wer heute "A" gesagt hat, muss also nicht später auch "B" sagen). 2. Aktualität Die Patientenverfügung muss gewährleisten, dass sie […]

Uns unterstützende Experten

Wir werden unsererseits bei schwierigen medizinischen, betreuungsrechtlichen und sonstigen juristischen Fragen durch Experten unterstützt. Danken möchten wir jenen, die uns auf ehrenamtlicher Basis! in letzter Zeit zur Seite gestanden haben: Dr. Michael de Ridder, leitender Oberarzt Rettungsstelle Krankenhaus am Urban / Vivantes-Klinikum Berlin. Er kritisiert massiv Pflegemissstände und sagt öffentlich im Fernsehen: Ich halte es […]

Erste Lesung zum PV-Gesetz für 19.06.2008 vorgesehen / Kritik der Kirchen

Laut Mitteilung des Bundestagsabgeordneten Michael Kauch (FDP) ist es maßgeblich seiner Partei zu verdanken: Zu einer "öffentlichkeitswirksamen Zeit" noch vor der Sommerpause ist eine erste Lesung im Bundestag des im März eingebrachten Gesetzentwurfs zur Patientenverfügung vorgesehen. Als Termin ist der 19. Juni 2008 genannt. Dies geht aus einem gemeinsamen Schreiben der "Einbriger" des Gesetzentwurf, den […]

PV-Gesetzentwurf: Beide Kirchen dagegen Humanistischer Verband dafür

Vertreter beider Kirchen haben sich heute gegen den vorliegenden Gesetzentwurf (von Stünker u. a.) zur Patientenverfügung ausgesprochen. Hingegen spricht sich der Präsident des Humanistischen Verbandes Deutschlands, Dr. Horst Groschopp, für eine zügige Verabschiedung aus. Er erklärt ebenfalls heute in Berlin: Wir begrüßen sowohl den Gesetzentwurf als auch die endlich beginnende Beratung im Parlament. Die Gegner des […]

Niederländische WOZZ Stiftung veröffentlicht ihren Ratgeber auf Deutsch

In Spiegel online/Panorama von heute veröffentlicht Peter Wensierski folgende Meldung: Niederländer veröffentlichen Sterbehilfe-Ratgeber auf Deutsch Die Politik debattiert noch über Sterbehilfe  da erscheint in Deutschland der erste wissenschaftliche Ratgeber zur Selbsttötung. Die Autoren haben sich schon vorher auf Kritik aus Parteien, Verbänden und Kirchen eingestellt. Berlin  Pünktlich zur Debatte über die Strafbarkeit gewerblicher Sterbehilfe könnte […]

Mitglied des Kuratoriums: Dr. Michael de Ridder

Mit großem Einsatz leitet Michael de Ridder die Rettungsstelle des Berliner Urban-Krankenhauses. Seinen Arbeitsplatz hat er einmal als Gully von Kreuzberg bezeichnet. Einfach hereinplatzen kann man in das Büro von Michael de Ridder nicht. An der Tür ist keine Klinke, sondern ein metallener Knauf angebracht. Wer hinein will, muss klopfen. Nicht ohne Grund: De Ridders […]

Sterbehilfe

Maßnahmen zur Erleichterung des Sterbens todkranker Menschen. Alle Hilfen, die Schmerzen und Qualen lindern und ein Unterlassen von unzumutbarerLeidverlängerung bedeuten, sind ethisch und ärztlich geboten, wenn der Patient sich bereits unabwendbar im Sterbeprozess befindet. Unterlassung von Therapie wird oft als »passive« Sterbehilfe bezeichnet, obwohl damit auch ein (aktiver und zum Tode führender) Abbruch von Maßnahmen […]

Unterbringung

Ein besonderer Bereich im Sinne des Betreuungsgesetzes (siehe: Betreuungsfall). Dazu gehört die Unterbringung von psychiatrischen Patienten, die sich selbst gefährden, in geschlossenen Abteilungen einer Einrichtung; darüber hinaus freiheitsentziehende Maßnahmen aller Art (auch das Anbringen von Bauchgurten und Bettgittern bei Sturzgefahr). Dieser Aufgabenbereich muss gemäß § 1906 BGB in einer Gesundheitsvollmacht gesondert erwähnt werden. Sonst würde […]

Sektion

Untersuchung der Leiche zur Klärung der Todesursache zur Vervollkommnung wissenschaftlich-medizinischer Erkenntnisse (freiwillig im Unterschied zur Leichenschau, die zur juristischen Klärung angeordnet wird).

Patientenvertreter

Sowohl Gesundheitsbevollmächtigter als auch gerichtlich bestellter Betreuer. Auch Ehegatten oder Kinder sind im Betreuungsfall keinesfalls automatisch gesetzlicher Patientenvertreter.

Palliativmedizin

Kommt ambulante (am Lebensende) in Frage oder stationär (Palliativstation im Krankenhaus – dort nur vorübergehnd mit Entlassung nach durchschnittlich 10 Tagen). Ganzheitlich-interdisziplinäres medizinisches Behandlungskonzept. Alle angezeigten Maßnahmen zur Linderung von psychischen und körperlichen Symptomen, Schmezren und Beschwerden bei unheilbar Kranken (v.a. Krebspatienten). Palliative Medizin zielt auf Stabilisierung und Lebensqualität bis zum Schluss, und wirkt dadurch […]

Organspende

Erlaubnis zur Entnahme nach eigenem Hirntod zur Verpflanzung eines noch intakten Organs in den Körper eines Anderen (des sogenannten Organempfängers). Dies ist nur auf der Intensivstation unter organerhaltenden Maßnahmen möglich, nachdem vorher für die Lebensrettung des Spenders – vergeblich – alles getan wurde. Organspende-Bereitschaft und Patientenverfügung sollten aufeinander abgestimmt sein.

Notfall, medizinischer

Wenn – krankheits- oder unfallbedingt – eine akut lebensbedrohliche Störung der Vitalfunktionen (Atmung, Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel) vorliegt. Z. B. bei Herz­versagen, Schock, Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnschädi­gung), Vergiftung mit Multiorganversagen (Sepsis), Stoffwechselentglei­sung. Siehe auch: Wiederbelebung.

Narkotika

Betäubende Medikamente, die geeignet sind, eine Narkose herbeizuführen (=umfassende aber rückführbare Lähmung des Zentralnervensystems mit weitest­gehender Ausschaltung von Bewusstsein, Schmerzempfinden und Reflexen, jedoch bei erhaltener Funk­tionsfähigkeit lebenswichtiger Zentren). Narkotika sind von Schlaf­mitteln und Sedativa (=dämpfende Beruhigungsmittel) nicht scharf abzugrenzen.

Koma

Zustand tiefster, durch äußere Reize nicht zu unterbrechende Bewusstlosigkeit mit sehr verschiedenen Ursachen (wie Stoffwechselentgleisung bei Diabetes, schwere Nieren- und Lebererkrankung, hirnorganische Verletzung und Blutung). Patienten sind bettlägerig, müssen immer künstlich ernährt und meist auch künstlich beatmet werden (Intensivmedizin). Lebensgefahr und Prognose, wieder zu erwachen oder gar zu genesen, sind beim Koma sehr differenziert zu […]

Intensivmedizin

Apparative und fachpersonelle Voraussetzungen zur Überwachung und (maximaler) Therapie im akuten Notfall, bei und nach Operationen, auch bei chronischer Abhängigkeit von maschineller Lebensverlängerung (z. B. von künstlicher Beatmung).

Hungergefühl

Das Stillen von Hunger- und Durstgefühl gehört zu den Basismaß­nah­men jeder lindernden Therapie. Viele Schwerkranke dies gilt ausnahmslos im Sterbe­prozess, mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Wachkoma haben allerdings kein Hungergefühl mehr. Künstliche Ernährung kann dann nicht mehr als lindernde Maß­nahme betrachtet werden.

Hinterlegung

Verwahrung von Urkunden und Dokumenten. Bei Patientenverfügungen, die von Zeit zu Zeit zu aktualisieren oder zu verändern sind, ist darauf zu achten, dass eine Hinterlegungsstelle hierfür Serviceleistungen anbietet. Bei der Bundesnotarkammer erfolgt nur eine elektronische Registrierung mit Kontaktdaten zur Patientenverfügung.

Gehirnschädigung / -verletzung

I. d. R. plötzlich erworbene Unfähigkeit zu bewusstem Denken, zum Gewinnen von Einsichten, ggf. auch zu gezielten Bewegungen. Als Schädel-Hirn-Trauma bezeichnet werden Kopfverletzungen mit direkter Gehirnbeteiligung. Dies kann von leichter Gehirnerschütterung über vorübergehende Bewustlosigkeit bis hin zu schwersten gesitig-körperlichen Dauerschädigungen reichen. Auch ein indirekt ausgelöster Sauerstoffmangel im Gehirn (z. B. bei Herzinfarkt oder Verschluss der […]

Ernährung, künstliche

Erfolgt in der Notfallmedizin meist mittels Infusion (Nährlösung in die Vene), mittels Mund- oder Nasensonde (weicher Gummischlauch) in den Magen oder heute sonst meist durch eine sogenannte PEG-Magensonde (dünner Schlauch durch die Bauchdecke direkt in den Magen). Die PEG-Sonde (Perkutane endoskopische Gastrostomie) einen operativen Eingriff voraussetzt und keine Notfallmaßnahme ist, darf und wird sie von […]

Durstgefühl

Dieses ist bei Schwerkranken zwar länger als das Hungergefühl vorhanden, jedoch v. a. verursacht durch Mundtrockenheit. Zur Linderung ist deshalb im Sterben neben dem Anfeuchten der Atemluft eine fachgerechte Mundpflege sehr wichtig (z. B. Gabe von Eistückchen). Hingegen ist die Zufuhr zu großer Flüssigkeitsmengen bei Sterbenden schädlich, weil sie zu Wasseransammlungen und quälenden  Folgebeschwerden wie Atemnot u. a. […]

Dialyse

Medizinisch-apparative Blutwäsche bei akutem oder chronischem Nieren­versagen, zur Verhinderung einer Harnvergiftung.

Demenz

Fortschreitender Verlust an Gedächtnisleistungen, kognitiven, sozialen (und ggf. auch motorischen) Funktionen inkl. Sprachvermögen. Geht nach mehrjährigem Verlauf meist in völlige Pflegebedürftigkeit über. Die mit über 70 % häufigste Form ist die Alzheimer-Erkrankung. Daneben kommen auch Gefäßsklerosen (Arterienverkalkung) und andere Gehirnschädigungen in Frage.